Sardinien – mit Auto und Kleinkind rundherum Teil 2

Ein Lebensjahr älter erwache ich am nächsten Morgen dennoch gut gelaunt.

Es ist einfach so schön, mit Meereswind und Sonne zu erwachen, vor allem wenn zu Hause der Herbst eingezogen ist. Weil die Welt bekanntlich ein Dorf ist, haben wir durch Zufall auch erfahren, dass die Familie eines Kindes aus der Kita auch hier in Sardinien ist. Wir verabreden uns zu einem Strand-Nachmittag.

Der kleine Mann freut sich wie wild auf das Treffen. Dass wir zuvor noch einen Stopp im Shopping Center Auchan machen, missfällt ihm deutlich. Papa heitert ihn mit dem Spielzeug-Einkaufswagen-Mietauto auf, mit dem er ihn geduldig hupend durch die Mall karrt, während Mama vergeblich versucht, etwas Genaues zu finden, das es leider nicht hat. Wir fahren in Richtung Palau, die kleine Maus steht schon am Gehweg und erwartet uns, doch Junior ist wieder kurz vorher im Sitz eingeschlafen und darf nun in ihrem Bettchen weiter ruhen, bis wir zu Fuß an eine kleine einsame Bucht laufen.

Auch hier ist das Wasser traumhaft klar und wir genießen es, endlich mal abseits der Touristenmassen zu sein. Die beiden Zwerge amüsieren sich sehr mit Sandeln, Planschen und Baden, dann zieht es uns leider weiter, wir haben noch etwas Fahrt vor uns. Wir sagen Tschüss, bis wir uns zuhause wiedersehen!

Immer tiefer ins Nirgendwo geht es, die Karte zeigt den nächsten Supermarkt mit 50-minütiger Entfernung an. Aber es lohnt sich, unsere Unterkunft liegt auf dem Berg, umgeben von schwer behängten blassblauen Weinreben, mit Blick auf die Umgebung. Ein süßer kleiner Dackel namens Nero begrüßt uns und Junior ist sofort verliebt.

Wir verhaften hungrig ein paar Panini auf der Terrasse, dann kommt Junior ins Bett und wir genießen den Sonnenuntergang mit einem sardischen Itchnuso.

Wir kommen etwas südöstlich von Castelsardo an einer berühmten Sehenswürdigkeit von Sardinien vorbei, dem Elefanten Fels. Auch hier spürt man die Hochsaison, eine Traube an Menschen umringt das Steingebilde, was ihm deutlich die Show stiehlt. Also nur ein kurzer Fotostopp, dann zieht es uns weiter. Junior zeigt seinem Lieblingskuschel-Elefanten noch den steinigen Verwandten und winkt.

Weiter die Serpentinen hinauf. Die Anfahrt auf das Dorf ist fantastisch, wie ein kleiner Vulkan liegen die Häuschen auf dem Felsen inmitten des Meeres. Wir finden erst gefühlt im nächsten Dorf einen Parkplatz und laufen zur Burg. Wir erklimmen die Stufen bei glühender Mittagshitze bis zum Castello und machen dann in der Altstadt von Castelsardo eine Pause für unsere brennenden Oberschenkel, wo ich dann aber leider die mit Abstand schlechteste Carbonara Italiens erhalte und wir mit lieblosem Service begleitet ein saftiges Gedeck für ein Kleinkind berechnet bekommen. Castelsardo ist wohl an Tourismus gewöhnt.

Wir kommen in der Nähe von Alghero in einer wirklich zauberhaften Unterkunft mit schönem Garten unter. Die Hausdame ist so verliebt in unseren kleinen Mann, dass sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskommt. Dass er momentan den ein oder anderen „Autonomie-Auftritt“ hinlegt, lässt sie unbeirrt weiter von ihm schwärmen.

Wir bummeln durch die Gässchen von Alghero. Ich liebe den Flair in den kleinen Straßen auf grobem Kopfsteinpflaster. Schöne kleine Boutiquen, nette Lokale, schöner warmer Abend, wir genießen es. Auch wenn wir den Faulpelz die meiste Zeit tragen, scheint es doch die bessere Alternative, wenn wir junge Paare bewundern, die ständig die Kinderwagenräder aus den kleinen Pflasterritzen puhlen müssen. Ein paar Amarettini Kekse für die Mama aus der Konditorei, ein Eis für die beiden Männer und wir lassen den Abend beim Bummeln ausklingen. Junior ist bereits ein echter Italiener geworden, denn es ist neun Uhr und er ist topfit.

Nicht besonders clever, aber aufgrund Verfügbarkeiten dann doch so gewählt, fahren wir wieder ein Stück nach oben bis Stintino, denn den schönsten Strand Sardiniens wollen wir einfach nicht ausgelassen haben. Nach dem Besuch sind wir uns einig. La Pelosa ist wirklich schön, aber wir müssen nicht mehr hin.

Das Meer schillert in allen Farben, der Sand ist wirklich fein wie Mehl. Und voll ist gar kein Ausdruck. Kaum ein Meter Platz zwischen all den Sonnenanbetern, Parkplätze sind Mangelware, Bazar-ähnliche Verkäuferflut und eine Polizei, die kontrolliert, ob man unter dem Handtuch auch ja eine Strohmatte liegen hat. Ich bin damit einverstanden, dass die Schönheit dieses Fleckes konserviert werden soll und es nicht dafür spricht, wenn jeder Tourist 1 Kilo dieses feinsten Pudersandes am Handtuch mit nach Hause trägt, aber egal wie Türkisblau dieses Meer ist, es schillert doch blass neben dem Strass-besetzten Aqua-silber Monokini rechts, dem rotverbrannten sich schälenden Bierbauch daneben, dem lauten italienischen Radio der Teenager dahinter, dem Nikotinqualm des Familienvater und allen anderen Menschen, die sich in Zentimeter-Distanz vor unserem Auge befinden. Ich glaube, wir sind inmitten eines Sommer Wimmelbuches unseres Sohnes gelandet.

*

Neuer Morgen, neues Urlaubsglück. Papa will endlich die Drohne fliegen lassen. Ich habe bereits feierlich verkündet, dass diese sich bald auf eBay wiederfindet wenn sie sich nicht endlich mal in die Lüfte erhebt. Ein Riesen Monster, das einen halben Koffer besetzt, ziemlich teuer war, am Zoll immer Schwierigkeiten beschert und dann ungenutzt wieder nach Hause fährt, nein nein, so geht das nicht. Nach einem Versuch in den Bergen, wo die Kallibrierung nicht geklappt hat, will Papa es am Strand versuchen. Wir fahren zur Morgenstunde erneut zu La Pelosa und finden einen tollen Standort auf einem Hügel mit Blick auf den Turm.

Kaum hat Papa das Ungetüm gestartet fährt auch schon der Polizia Wagen neben uns hin. Ohne ein Foto der Umgebung gemacht zu haben muss sie somit sofort zurück in den Koffer begleitet von „Polizei schimpft“ Rufen unseres kleinen Mannes. So fahren wir weiter und Papa probiert an einem einsamen Parkplatz erneut sein Glück. Diesmal mit Erfolg.

Drohne Sardinien La Pelosa

Junior macht einen Mittagsschlaf im Auto, während wir wieder Richtung Alghero düsen und im Vorort Fertilia in einem kleinen Privathaus unterkommen. Schnatternde Gänse begrüßen uns, drei Katzen und ein Hund, der so groß ist wie ein Minipony. Die Hausherrin ist sofort wieder in unseren Junior verliebt und wie sich herausstellt, ist sie die Schwester unserer vorherigen Hausdame, die den gleichen Narren an ihm gefressen hatte, auch Sardinien ist also ein Dorf.

Eine völlig neue Erfahrung für uns und auch für den kleinen Mann ist die italienische Kinderliebe. Während in Deutschland die Augenbrauen eher dezent angespannt werden, wenn man mit Kind wo auftaucht, löst es hier wahre Freude aus. Auf der Straße bleiben Omas stehen, junge Mädels und Männer streicheln ihm das Köpfchen oder die Backe und kommen aus dem „che bello“ nicht mehr raus.

 

Tschüss Bauernhof, Arrivederci.

Wir machen eine Pause in Oristano. Eigentlich sollte es ein schöner Stadtbummel werden, doch die vermeintliche Shoppingmeile im Reiseführer besteht aus 4 nichtssagenden Läden und Junior hat sich diesen Moment für einen ausgeprägten Wutanfall erwählt. Somit ist das Einkaufserlebnis erstmal beendet und der strampelnde Wutstrumpf wird ins Auto verfrachtet.

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Ein letztes Mal Cagliari, wir faulenzen am Stadtstrand und genießen dann noch etwas Pool Flair in unserer neuen echt stylischen Unterkunft. Innen wird alles per iPad gesteuert und der Fernseher fährt aus dem Bett raus, der Papa ist im Glück und lässt die Jalousien rauf und runter fahren. Morgen geht es nach Hause, schon wieder zwei Wochen vorbei.

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