Neuseeland Südinsel Part 3

20. Tag Hokitika

Wir checken aus. Das ist der ungeliebteste Moment unseres Juniors. Ihm gefällt die entstehende Unruhe keineswegs und vermutlich mag er diesen ständigen Ortswechsel nicht all zu sehr. Er meckert und will nur rumgetragen werden. Aber so ist es eben beim Reisen. Da muss man auch mal wieder weiterziehen, wenn man etwas Neues sehen will. Wir haben nur eine kurze Fahrt vor uns und fahren nach Hokitika. Zum Mittagessen verschlingt er meine komplette Lasagne und wir kaufen für mich nochmal ein Essen. Verhungern tut er hier wahrlich nicht, wie man den dicken Bäckchen ansehen kann. Von Hokitika aus ist man nach knapp 30 Kilometern an der Gorge Bridge. Der Parkplatz ist wieder Touristen überfüllt, laut und ungemütlich. Und manchmal kann man sein Glück einfach nicht fassen. Denn der ausschließlich nachtaktive, lärmempfindliche Kiwi tapselt einfach beim Aussteigen neben uns am Auto vorbei und hüpft ins nächste Gebüsch.

Seltenen Kiwi in freier Wildbahn sehen: Check.

(Nachtrag vom 9.1.2018: Der so selten erblickte Kiwi ist in Wahrheit eine Karelle: Seltenheitswert eines Huhns.

Idiotischer Tourist sein, der Huhn für einen Kiwi hält? Check.)

In knapp 15 Minuten ist man an der Brücke. Sie erlaubt wieder 6 Personen gleichzeitig und auch hier können die meisten nicht lesen. Das Wasser unter uns ist herrlich türkis. Die Farbe entsteht durch das Gletschermehl, wie wir hier lernen. Leider ist das Wetter trüb und statt kristallklarem Wasser erscheint es uns heute milchig trüb. Und dennoch ist es wirklich etwas Besonderes. Junior hält die Kieselsteine für die echte Attraktion und die Touristen lachen, weil wir keinen Meter vorwärts kommen. Es ist uns egal, wir haben Zeit und wenn Junior Freude am Steine sammeln hat, dann soll er sich austoben.

Die ganz tollkühnen Touristen, wobei es sich hier hauptsächlich um junge pubertierende Mädchen handelt, springen in das eisig kalte Gletscherwasser. Papa tunkt den Zeh ein. Erfrischung genug.

Wir checken in unserer zauberhaften Unterkunft via Airbnb ein – der Vorgarten voller Kieselsteine, drei Hunde, eine Katze und eine riesige Kiste mit Spielsachen. Da ist jemand ziemlich glücklich. Und wir auch, nachdem wir den Blick in einen prall gefüllten Kühlschrank geworfen haben. Neuseeländische Gastfreundschaft.

21. Tag Punakaiki / Pancake Rocks / Westport

Die heutige Strecke ist etwas kürzer und schon ist Junior muffig, weil der Morgenschlaf zu kurz ausgefallen ist. Die Pancake Rocks können ihn erstmal überhaupt nicht begeistern und missmutig lässt er sich von Papa herumtragen. Die unterschiedlichen Gesteinsablagerungen sehen tatsächlich wie hauchzarte kleine gestapelte Pfannkuchen aus, begeistern das Mufflon aber keineswegs.

Pancake Rocks 1

Erst nach einer weiteren Viertelstunde lässt er sich zum selbst Marschieren bewegen und sammelt wieder fleißig Palmwedel und Steine. Zum Glück ein paar Steine, dann ist es doch eine passable Sehenswürdigkeit hier. Dass jeder asiatische Tourist glückselig stehen bleibt und ihn drücken will scheint ihm gut zu gefallen, denn er läuft erhaben winkend wie die Old Queen an den Touristen vorbei und lächelt.

Pancake Rocks 4

Der Vorteil an diesen Neuseeland Highlights ist die bequeme Anreise und stets ein kurzer Fußmarsch, so muss man die Kids nicht immer in Trage oder Buggy packen und falls es nicht so wunderbar aussieht, wie es im Reiseführer steht, ist es auch nicht weiter schlimm. Ein wenig Abenteuer geht so natürlich schon verloren, wenn man statt einer hart erarbeiteten Wanderung bis zum Aussichtspunkt nur in Sandalen über den Parkplatz latschen muss. Dies hält die deutschen Touristen aber dennoch nicht von ihrer vollen Outdoor Montur ab, Bergsteigerstiefel, Tropenhut und Wanderstöcke, während die asiatischen Damen Gala-Dinner-like in den Highheels daher tippeln. Aussehen ist alles.

Wir fahren weiter bis Westport. Hier gibt es nicht viel zu sehen, ein kurzer Stadtbummel, aber alle Läden haben samstags bereits ab eins geschlossen. Erst auf den Spielplatz, dann ins neue Zuhause. Ein Bett mit Wänden. Aber da dies ein unschlagbar fairer Preis war, beschweren wir uns nicht und genießen dafür den Garten, den wir mit benutzen dürfen. Die zwei wie Zugluft-Stopper aussehende Hunde hat Junior sofort ins Herz geschlossen, denn er und die Würste mit Füßen sind auf gleicher Augenhöhe.

Wir müssen regelmäßig nach den Hühnern im Garten suchen und der erste Hundebeller am Morgen heißt für uns: Aufstehen, wir müssen zum Hund, denn Schlafen wird total überbewertet. Müde und lächelnd geben wir seinem Drängen nach.

22. Tag Lower Moutere

Heute eine lange Fahrt. 3 Stunden zum Abel Tasman Nationalpark. Stopp und Mittagessen im Nirgendwo. Wir treffen auf eine 5-köpfige Weltenbummler Familie aus Frankreich, die auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Die beiden größeren Kinder spielen mit unserem Kleinen und wir unterhalten uns so gut, dass wir die Zeit aus den Augen verlieren. Au revoir, ich hoffe, wir sehen uns wieder.

Ankunft in Lower Moutere. Unser neues Zuhause ist zwar sauber, riecht aber leicht klamm und hat den Charme einer selten bewohnten Bergsteiger-Hütte. Wir sind enttäuscht. Aber auch hier ist der Kühlschrank wieder prall gefüllt und als wir auf Gastgeberin Mary treffen, die einfach so unfassbar freundlich ist und für unseren Sohn noch Nachbar Pete beauftragt hat, ein echtes Holz-Kinderbett herbeizuschaffen, sind wir total gerührt. Petes Hose baumelt weit unter dem Bauch, hängt gerade noch so mit einem selbst gebastelten Gürtelersatz an ihm fest, die Gummistiefel sind unter dem  Matsch kaum zu erkennen. Er hat erstaunlich wenig Zähne, aber sein Lächeln gewinnt uns sofort. Sein Akzent ist leider so heftig, dass ich eher nicke, als tatsächlich verstehe. Der große Pete und Papa schrauben auf der Veranda das Bett zusammen und als es fertig ist, quietscht Junior vor Glück und liegt sofort hinein. Weil Pete ein echter Farmer ist, sind die Schraubschlüssel so ölig wie seine Hände, aber was ist Papas verschmutzte Bermuda gegen einen glücklich Jungen, der hoffentlich durchschlafen wird?

23. Tag Motueka / Abel Tasman Nationalpark

Die Nacht war ok, der Morgen ernüchternd. Immer noch gleiche „Null-Wohlfühl-Atmosphäre“ in der Klamm-Hütte. Der Geruch hat sich in meine Haut eingebrannt und scheint auch nach der Dusche nicht verflogen zu sein. Schnell raus, weg hier, ab in den Abel Tasman Nationalpark. Mary kommt davor alle zwanzig Minuten und bringt uns etwas neues zum Essen oder einen Prospekt. Entweder ist sie wirklich so hilfsbereit oder aber auch etwas einsam. Sie lädt uns zum Abendessen ein, sie will Kartoffeln mit Minze machen. Wir sagen zu.

Die Fahrt zum Park hält kaum den Frühstücks Toast im Magen zurück. Es sind Serpentinen von der übelsten Sorte und jede weitere Kurve lässt mich meinen Anspruch für die Natur nach dieser Schinderei höher steigen. Über eine Stunde geht das, Junior mault.

Wir werden nicht enttäuscht. Ein kurzer Spaziergang durch tropischen Regenwald später erreichen wir gleich eine schöne einsame Bucht an der Golden Bay. Es war den Weg echt wert, das Wasser ist klar und der Sand wirklich golden. Juniors schlechte Laune ist wie weggeblasen und der neue Sandeleimer wird eifrig zum Einsatz gebracht.

Als wir zu Hause ankommen freuen wir uns auf das Abendessen. Wir fragen bei Mary wegen der Einladung zum Abendessen an, die uns allerdings einen Thailänder in der Stadt empfiehlt. Sie fragt ob wir Lust haben, morgen zum Abendessen zu kommen. Sie macht Kartoffeln mit Minze. Wir sagen zu und fahren lachend zum Thailänder.

24. Tag Kaiteriteri

Es ist Regen angesagt. Wir planen nur einen kurzen Ausflug nach Kaiteriteri. Schon früh morgens ist der Strand mit Familien überfüllt. Das Meer läuft in kleinen Bächen an der Seite aus und ist der ideale Sandelplatz für die Kleinen. So sandelt und plantscht der Kleine bis zur absoluten Müdigkeit und wir finden uns danach schweren Herzens für den zum Glück letzten Abend in der Klamm-Hütte ein.

Um halb sechs klopfen wir bei Mary. Sie öffnet die Tür und entschuldigt sich, denn sie hatte geschlafen. Überflüssig zu erwähnen, dass unser Sohn bereits hungrig ist. Sie entschuldigt sich für die Verspätung und will gleich Kartoffeln kochen. Sie geht in die Küche, dann macht sie plötzlich kehrt und beginnt mit der Hausführung. Wir lernen den Großvater und seine Geschichte, den englischen Sofa Bezug und das neu errichtete Gästezimmer „Rapunzel“ kennen. Zwischendrin, will sie gleich die Kartoffeln machen. Mein Magen meldet sich auch. Es kommt ein Gast. Wir lernen Neil kennen, er hat eine Stufe an die Klamm-Hütte montiert, damit Junior nicht hinunter fällt. Das ist wirklich nett. Mary geht, sie will die Kartoffeln machen und läuft in die Küche.

15 Minuten später – Mary serviert Bier, die Küche sieht nicht annähernd nach Abendessen aus. Nach einer Exkursion in Marys Jugend wird Neil abkommandiert, um im Garten Kartoffeln auszugraben. Wenigstens muss er sie nicht erst noch pflanzen.  Junior und ich beobachten Neil beim Ausgraben. Mary setzt sich mit einem Glas Wein auf die Veranda und erzählt seelenruhig aus Ihrer Jugend. Ich schleiche in die Klamm-Hütte zurück, um für Junior ein Stück Toastbrot zu holen. Am liebsten würde ich auch eins essen.

2 Paar italienische Schuhe von 1980, einen Bambus Stuhl, der renoviert werden soll und einen kompletten Kristall-Geschirr-Satz zur Betrachtung später, stehen doch tatsächlich 130 Minuten nach Ankunftszeit Kartoffeln mit Minze, ein Salat und ein paar Bratwürste auf dem Tisch. Wir fallen darüber her wie die Tiger und nicken zustimmend, als Mary uns erzählt was sie mit der Klamm-Hütte noch alles vor hat. Ein Radio soll her, ist das nicht eine tolle Idee? Uns fiele da noch was ein, aber wir lächeln stumm. Junior ist hinüber, er muss dringend schlafen. Wir bedanken uns und verabschieden uns, werden bis zur Klamm-Hütte begleitet und sind nach einer weiteren Exkursion über den 300-jährigen Baum, korrodierende Regenrinnen, den zu renovierenden Bambusstuhl dann auch 20 Minuten später wirklich drin. Gute Nacht für heute. Last Klamm-Night…

25. Tag Queen Charlotte Drive / Picton

Der Abschied ist traurig. Mary hat uns Gemüse hingerichtet und ein kleines Auto für unseren Junior. Wir müssen los. Mitten im Verabschieden dreht sie sich um und zeigt auf den kaputten Rattanstuhl. „Den will ich renovieren“, sagt sie. „Mein Hund hat ihn kaputt gebissen aber ich mache einen neuen Bezug drauf.“ Wir können die Stuhl Geschichte bereits im Schlaf mitsprechen und wissen, dass Mary wirklich sehr einsam und leider auch etwas beginnend verwirrt ist. Wir verabschieden sie und wünschen ihr von Herzen alles Gute. Und meinen es wirklich so.

Es regnet und ist trüb. Die Serpentinen nach Picton scheinen endlos.

Queen Charlotte Drive

Normalerweise hat man auf dieser Strecke von Havelock nach Pictor einen fantastischen Blick auf die Marlborough Sounds, aber das Wetter wird immer düsterer. Wir können nur erahnen, wie schön es bei Sonnenschein sein kann und amüsieren uns dafür über die kreativen Briefkästen der Neuseeländer, die von Barbiepuppen über Lastwagen oder Weltraum-Raketen allerlei kreative Kunstwerke zur Schau stellen.

1.jpg

Unser neues Zuhause ist traumhaft. Wir haben ein Haus mit Veranda, Garten und Jacuzzi nur für uns alleine. Bei diesem Wetter verpassen wir nichts, kochen uns ein leckeres Abendessen von Marys Gemüse und befreien uns mit 5 Waschmaschinen-Ladungen von allen Gerüchen der Klamm-Hütte, während draußen das Unwetter tobt.

26. Tag Waikawa / Picton

Was treibt man bei endlosem Regenwetter in einer Stadt, die ausschließlich auf Outdoor Aktivitäten angelegt ist? Wir bummeln ein wenig am Hafen und Strand entlang, bewundern Enten und Möven und blicken traurig auf den richtig coolen Abenteuer Spielplatz mit Wasseranlage, der bei diesen Temperaturen leider nicht richtig ausgenutzt werden kann. Junior versteht das überhaupt nicht und steht schon mitten in der Wasserfontäne. Bevor außer der Hose noch mehr nass wird, gehen wir wieder nach Hause.

Der letzte Tag auf der Südinsel, schade, dass alles neblig und trüb ist. Wir sagen Tschüss, war wirklich toll hier!

weiterlesen … bald…

 

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