Neuseeland Südinsel Part 1

Wir landen nach einer guten Stunde in Christchurch. Der Flug war wieder super, Junior saß einfach nur lieb auf dem Schoss, ein echter Top-Passagier. Leider verbringen wir nun über 2 Stunden am hiesigen Avis Schalter, um unseren Mietwagen zu bekommen. Wir brauchen eine beglaubigte Übersetzung des EU Führerscheins. Auf diese warten wir bereits eine Dreiviertel Stunde.

45 Minuten, in denen ich mir das „ichhabesdirgesagtaberduwolltetesnichtglauben“ erspare und die Energie in Juniors Bespaßung investiere. Ich sehe noch immer die hochgezogene belustigte „Was-weiß-sie-denn-schon-Augenbraue“ vor mir, als ich meinen Mann bat, für Neuseeland einen internationalen Führerschein vom Amt zu holen. Nach 60 Minuten Wartezeit  und 49 Dollar später ist dies dann geklärt und Mister EU-Führerschein-reicht verweigert zu dieser Sache jeglichen Kommentar.

Nach einer weiteren Avis Wunderlichkeit „Sie können zwar im Internet auswählen, das Auto mit der Fähre von Picton nach Wellington mitzunehmen, das ist aber trotzdem nicht möglich.“ Fährüberfahrt fürs Auto bereits bezahlt. Super, vielen dank Avis.

Dann irrt sich auch noch unsere ausgedruckte Buchungsbestätigung, denn in ihrem System vor Ort ist kein Kindersitz hinterlegt. Der Ausdruck und die Buchungsbestätigung per Email können also nur falsch sein. Nach einer weiteren Stunde ist Juniors Laune am Tiefpunkt angekommen. Er brüllt den lethargischen Avis Mitarbeiter so lange an, bis wir endlich den Schlüssel für unser Auto bekommen. Kindersitz montiert. Da steht es. Orange wie die Müllabfuhr, aber einige Pferde unter der Haube. Mann glücklich, dann sind wir es auch.

Wir fahren in unsere Unterkunft in Christchurch. Maddy, eine alte Hundedame erwartet uns bereits. Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, fahren wir zum Margaret Mahy Playground, ein Spielplatz wie ich ihn mir zu Hause wünschen würde. Für jedes Alter, mit Sand, Wasser, Tunnel, Schaukeln, ein Kinderparadies, soweit das Auge reicht.

 

Wir stärken uns in der Nähe mit einem Abendessen, dann sind wir geschafft für heute.

6. Tag Christchurch

Der Spielplatz kam so gut an, dass wir am nächsten Tag wieder herkommen. Zuerst fahren wir aber zur Christchurch Gondola und verschaffen uns einen gigantischen Überblick über diese Stadt und mehr. Der Ausblick ist wirklich atemberaubend.

Christchurch selbst ist ebenfalls toll. Man sieht noch immer die Zerstörung des Unglücks an allen Ecken, aber die Stadt bemüht sich, alles mit Kunst zu verschönern und das Beste für ihre Bürger hervorzurufen.

Dann fahren wir zum Botanischen Garten, Parkplatz und Eintritt kostenlos. Eine wunderschöne Parkanlage mit vielen Enten, einem Spielplatz und wunderschönen Pflanzen.

7. Tag Kaikoura

Und so ist unsere Zeit in Christchurch bereits verstrichen und am nächsten Morgen fahren wir gute 2 Stunden hinauf bis nach Kaikoura. Wer hier her kommt, steigt in ein Flugzeug oder einen Helikopter, um einen Wal zu sehen. Alternativ auch auf einer Bootsfahrt möglich. Hier nehmen wir aber Rücksicht auf unseren Kleinen und lassen diesen Programmpunkt aus. Wir übernachten auf dem Campingplatz, generell nicht so mein Ding, aber wir haben ein kleines schnuckliges Häuschen, viel Platz innen, sogar eine kleine Küche und Junior kann auf dem Weg davor und im kleinen Grasbereich herumtoben und wir müssen uns nicht um fahrende Autos oder ähnliches sorgen.

Wir fahren zum südlicheren Teil und stellen das Auto ab. Hier wandern wir auf steinigem Geröll den Peninsula Walkway und sehen nistende Möwenkolonien und Seelöwen. Junior sitzt friedlich in der Kraxe, später will er selbst laufen. Das Meer ist tiefblau, der Wind bläst stark und kraftvoll. Das Geschrei der Möwen ist immens, alle sitzen dicht an dicht. Leider ist der Weg auch von vielen Möwen-Kadavern gesät, eine richtige Friedhofsstrecke, die meinen Hals unangenehm trocken werden lässt.

 

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Hinter einem Felsen können wir ein paar Seehunde entdecken, ein dickes Männchen und ein paar putzige kleine Robbenjungen, die unbeholfen über die Felsen watscheln.

 

Ansonsten ist Kaikoura klein und überschaubar, ein paar nette Lädchen und Cafés, so dass man es für 1-2 Tage gut aushalten kann. Dann ist es aber auch genug, zumindest für uns.

 

8. Tag Christchurch / Akaroa

Wir fahren zurück nach Christchurch. Dort treffen wir uns mit einem Pärchen, das wir auf den Bahamas kennengelernt haben. Die beiden genießen gerade ihre Honeymoon-Reise. Wie cool ist es, am anderen Ende der Welt Freunde von zu Hause zu treffen? Wir essen und lachen gemeinsam, dann fahren wir in entgegengesetzte Richtungen weiter.

Nächstes Ziel Akaroa. Ein kurzer Stopp in der Mall um dem Junior eine Mütze zu kaufen. Die Sonne brennt unerbittlich und schon nach zehn Minuten und Lichtschutzfaktor 50 sieht er leicht Hummer-ähnlich apricotfarben aus.

Heute ist Weihnachten. Heilig Abend. Total seltsam so im Warmen. Wir haben keinen geschmückten Baum. Keine weitere Familie außer uns. Keine leckeren Plätzchen von Oma, kein Festessen. Wir sind wehmütig. Wir lieben unsere Rundreise, würden uns aber sofort zum Abend nach Hause beamen.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir unser Domizil, Twin Gullies – und sind einfach nur happy. Wir haben drei Zimmer, eine Küche, Garten mit Blick ins Tal, einfach wunderschön. Die Sonne scheint, ein perfekter Sommer. Die tolle Lage lässt Papa mit seinem neuem Lieblingsspielzeug unter dem Arm verschwinden und schon steigt die Karma in die Lüfte.

Wir werden alle drei müde, genießen dennoch die Wärme und Schönheit unserer Unterkunft und lassen uns damit über das lieblose Abendessen aus dem Supermarkt hinweg trösten, das wir heute statt leckerem Braten in der Heimat verzehren. Junior darf noch ein kleines Geschenk auspacken, wenn schon kein Schnee, keinen Baum und keine Verwandtschaft, dann muss der Weihnachtsmann es wenigstens bis hierher mit einem Päckchen schaffen. Und das hat er! Er freut sich und spielt bis er ins Bett darf.

Merry Christmas!

9. Tag Akaroa / Ashburton

Am 1. Weihnachtsfeiertag fahren wir den Berg runter ins Städtchen Akaroa. Mit wahrhaftig französischem Flair liegen die kleinen einstöckigen Häuschen idyllisch aneinander gereiht. Wir finden tatsächlich ein Café, das heute auf hat und genießen eine Latte im Sonnenschein.

 

Bald brennt die Sonne unerbittlich, so kürzen wir den ausgiebigen Stadtbummel etwas ab, lassen Junior auf dem schattigen Spielplatz toben und kühlen danach seine Füße im Meer. Er gluckst glücklich.

 

Leider hat das Giant´s House heute geschlossen und uns bleibt der wunderschöne Garten der Künstlerin Josie Martin und ihre bunten Skulpturen verwehrt. So geht es direkt in Richtung Fairlie weiter, mit Zwischenstopp im eher unbedeutenden Ashburton. Wir fahren über die kurvige Summit Road und erhaschen einige spektakuläre Blicke über den Kraterrand des ehemaligen Vulkans.

10. Timaru / Fairlie

Eine angenehme Nacht in einem Motel in Ashburton später geht es nach Fairlie. Wir machen einen kurzen Umweg und Stopp in Timaru und Junior bekommt ein neues T-Shirt. Dann fahren wir bis Fairlie und freuen uns, dass neben dem eiskalten Wetter und dem endlosen Regen, unsere Unterkunft ein echter Volltreffer ist. Riesengroß, Waschmaschine, Küche und im Garten ein paar Esel, Ziegen und Lamas.

 

Es wird kalt. Das Thermometer fällt schlagartig von 30 auf 10 Grad. Temperatur-Schock. Wir frieren wie die Schneider. Der Himmel ist wolkenverhangen düster, es regnet Bindfäden. Somit scheitert unser Plan zum Sonnenuntergang am Lake Tekapo zu sein und einen der 10 besten Sternenhimmel weltweit zu erleben. Bei so vielen Wolken wird es keinen Stern zu entdecken geben. Wirklich schade…

11. Tag Lake Tekapo / Lake Pukaki / Oamaru

Am nächsten Morgen sieht die Welt schon freundlicher aus. Der Regen hat aufgehört und das Thermometer steigt auf 18 Grad. Wir fahren bei Tageslicht zum Lake Tekapo und treffen dort gemeinsam mit einer Vielzahl von anderen Touristen ein. Der Himmel ist fast klar, das Wasser des Sees ebenso.

 

Leider können wir die wunderschöne Church of the Good Shepherd nicht von innen bestaunen, da sich ein verliebtes Paar im Moment das Ja-Wort gibt. Diesen kurzen Bruchteil Privatsphäre gönne ich ihnen von Herzen, denn auf jedem Hochzeitsfoto werden mindestens 42 asiatische Touristen im Hintergrund sein. Da gefällt mir die Erinnerung an unseren schönen Tag umgeben von Menschen, die uns wichtig sind, doch deutlich besser.

Wir bummeln etwas um den See und die Brücke daneben, dann fahren wir weiter.

 

Nur kurze 15 Minuten später treffen wir am ebenso klaren und wunderschönen Lake Pukaki ein. Etwas weniger Tourismus setzt der schönen Natur noch ein I-Tüpfelchen  auf.

Ankunft Oamaru. Unsere Unterkunft ist nett, uns erwartet ein schönes Zimmer, ein tolles Babybett und passend zu den Pinguinen, die diese Stadt bekannt machen, bringt Sarah uns noch ein Pinguin-Buch für den Kleinen aufs Zimmer. Das ist Gastfreundschaft.

Fürs-Pinguine-beobachten sind wir mit unserem müden Kleinen nach dem langen Tag in der Natur nicht mehr geschaffen. Sie kommen erst bei Einbruch der Dunkelheit ans Land und so lange hält er auf keinen Fall mehr durch. So machen wir vor dem Abendessen noch einen Abstecher am Pinguin Ort und sehen auf die Ferne erstmal hunderte von grauen und schwarz-weißen Gestalten sitzen. Zuerst hoch erfreut, dann schnell ernüchtert, keine Pinguine fliegen auf die hohen Stelzen im Wasser, es sind „nur“ Vögel…

 

Wäre auch zu viel Glück gewesen. Noch schnell etwas in den hungrigen Magen, dann das Pinguin Buch angeschaut und schon schläft der kleine Urlauber.

Omaru

12. Tag Moeraki Boulders / Dunedin

Sie liegen eh auf unserer Strecke und wären doch eine Extrafahrt wert. Die dicken runden Steinkugeln im Meer am Strand von Koekohe – die Moeraki Boulders. Laut ansässiger Maori sind die Steine und die großen Felsenklippen daneben Reste eines Kanus mit Kapitän, sowie Reste von Aalkörben und Süßkartoffeln. Sie sehen surreal aus, wie geplant als Attraktion platziert. Und doch ist  es die Natur selbst, die solche Wunder vollbringt.

Moeraki Boulders Otago

 

Als wären die Steine nicht Attraktion genug, werden wir auch noch Zeuge von 5 Wellen-reitenden Delfinen, die spielend durchs Meer gleiten.

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