Urlaub mit Kind am Gardasee – dieses Mal läuft alles ganz anders

Wir sind sowas von urlaubsreif. Akku einschließlich Reserve leer, muss dringend geladen werden.  Da wird es Zeit für einen richtigen Familienurlaub.

Urlaub mit Kind ist im Grunde eigentlich kein wirklicher Urlaub.

Kein Ausschlafen, kein üppiges Sonnenbad, exzessives Shoppen und Bummeln, kein gedehntes Candle-light Dinner am Abend, aber im Vergleich zur identischen Routine daheim zumindest alle elterlichen Aufgaben in pittoreskem Ambiente. Wer um halb sechs Aufstehen und Spielen darf und dabei auf den Gardasee blickt, ist immer noch müde, aber auch glücklich. Wir freuen uns. Dieses Mal sind wir auch viel entspannter als damals mit unserem Neugeborenen. Was haben wir uns Gedanken gemacht. Für jede Situation gerüstet, mehr Gepäck für den Babymann, als für uns. Ein knappes Jahr später sind wir routinierte Eltern, jetzt wird der Urlaub wie früher.

Wie früher?

Ist es nicht schön, sich solchen Illusionen hinzugeben? Ich bin selbst beeindruckt, wie man sich als Eltern ständig selbst in die Tasche lügen kann. Schlechte Launen mit Wachstumsphasen erklärt, zornige Wutanfälle für einen weiteren Entwicklungsschritt hält. Und wie man nach jeder nicht ganz so miesen Nacht denkt, jetzt schläft er durch. Summa summarum sind wir seit einem Jahr müde. Denken aber, die Nächte sind insgesamt wirklich gut geworden. Jede Phase lässt einen die eingeschworenen Grundsätze leicht variieren oder ganz außer Kraft setzen.

Was haben wir uns nicht alles vorgenommen…

Vor dem Kind,  vor dem ersten Schnupfen, vor dem Zahnen,  vor dem ersten Krabbeln. Ich freue mich, wie wir es immer wieder schaffen, uns ständig selbst in den Rücken zu fallen und dass es sich dennoch weiterhin so verdammt richtig anfühlt. Dieser Urlaub wird wie früher, ich bin ganz sicher.

Dieses Mal nehmen wir weniger mit:

Keine Wippe mehr nötig, keine große Kinderwagenwanne mehr. Keine Spucktücher, wir reisen mit leichtem Gepäck. Dafür neu: Spiel- und Sandelsachen, der praktische Hochstuhl, die Krabbelmatte, Sonnenhut, Lätzchen, Kühlbox, Trinkflasche. Und falls er doch Fieber bekommt? Medizinsachen müssen mit, zumindest die Basics. Hier muss man jetzt Opfer bringen: Daher den Ehemann mit hochgezogener Augenbraue lange anschauen, wenn er das dritte paar Schuhe bereit legt. Zwei reichen ihm schließlich sonst auch. Ich schmuggle schnell noch die andere Sandale rein, bei mir sind das schließlich Outfits. Kofferraum voll, hintere Sitzbank ebenfalls. Für die Kühlbox und Handtasche verzichte ich auf Beinfreiheit während der Fahrt.

Wie hat damals nur diese große Wippe noch ins Auto gepasst?

 

In Papas Auto wird nicht gegessen.

Erstes Geschrei im Sitz. Unser Plan: wir visieren eine Ausfahrt im Grünen an und essen da. Es schüttet jedoch wie aus Kübeln. Da brauchen wir erstmal nicht anzuhalten. Geschrei wird lauter. Es regnet noch immer. Es tobt im Sitz. Vielleicht Durst? Wasser wird ja wohl erlaubt sein. Papa konzentriert sich aufs Fahren. Jetzt hat Tobemann Mamas Brezel in der Tasche entdeckt. Wäre unfair, ihm kein Stück zu geben. Kurze Stille. Brezelstück verschlungen. Wenn er schon alles mit Brezel vollgekrümelt hat, kann er auch noch den Dinkel-Apfel-Muffin vom gestrigen Kindergeburtstag essen. Ich frage mich, ob überhaupt etwas davon im Magen gelandet ist. Egal. 30 min Ruhe. Papas Augen explodieren beim Ausladen. Ich zucke unschuldig mit den Schultern. Keine Ahnung, wie der Kleine an das Essen gekommen ist…

 

Unsere technischen Geräte sind für ihn tabu.

Endlich angekommen. 9 lange Autostunden später sind wir da. In Ruhe auspacken und ankommen mit Kleinkind im Krabbelstatus? Unmöglich. Das Holzbuch, die Spielbecher voll uninteressant. Bitte, nur kurz fünf Minuten, bis Papa die Koffer aus dem Auto geladen hat. Magst du deine Holzmaus vielleicht? Oder was ist mit der Rassel? Hier, ja gut ok, nimm.

Aber nur dieses eine Mal. Weil wir doch im Urlaub sind…

Wir ernähren ihn genauso gesund wie zu Hause

Erster Abend Restaurantbesuch. Mama und Papa gönnen sich eine Pizza. Für den Junior bestellen wir Nudeln mit Tomaten. Völlige Entrüstung für diese Entscheidung blickt uns aus dem Kindersitz vorwurfsvoll an. Das Vollkornbrot pfeffert er sofort auf den Boden. Beleidigtes Wegdrehen und fordernder Fingerzeig auf Mamas Pizza. Sämtliche „mmh lecker“ Nudelversuche scheitern. Unmut wird lauter. Zu laut für ein entspanntes Abendessen. Lächelnde Mimi zu anderen Gästen. Soll heißen, wir haben alles im Griff. Wir sind die Chefs, wir sind die Eltern.  Es kreischt. Zuhause Banane statt Ei, Dinkelvollkornmehl und salzfrei. Aus Überzeugung. Ja, zuhause. Hier in Italien kürt sich ein neuer Sieger.

Wir befinden uns nördlich des Gardasee, im kleinen Städtchen Arco. Die erste Nacht war warm und unruhig. Wir sind alle beide gerädert. Einer ist fit und äußert dies lautstark bereits um 5.40 Uhr. Wir quälen uns aus dem Bett. Nach einem leckeren Frühstück, bei dem Junior immer die besonders leckeren Sachen abstaubt (Himbeeren, Erdbeeren- die harten Äpfel dürfen wir gerne essen), fahren wir zum Tenno See. In zwei Stunden soll er umrundet sein, ein toller Einstieg für den Start des Urlaubs.

Schon nach fünf Minuten erinnern wir uns an:

Wozu sollen wir denn bitte so eine dämliche Kraxe kaufen? Lässt sich doch alles mit dem Buggy machen!

Der komplette Weg hinunter zum See besteht aus Treppenstufen. Keine Schienen für den Kinderwagen, kein Weg außen herum. Jetzt müssen wir es durchziehen. So schleppt Papa den 10 kg Junior rechts auf dem Arm und links den 10kg Buggy mit Gepäck. Auch der holprige Kieselweg lässt die superleichten Plastikräder nur so durchdrehen und blockieren. Nach 20 min und 50 zurückgelegten Metern verlässt uns die Lust. Einzig der Anblick des schönen Sees belohnt.

Wir setzen uns hin, zum Glück haben wir die Picknickdecke dabei. Schnell noch den Junior eincremen, die Sonne brennt.

„Also ich werde meinem Kind ja nie so einen doofen Hut mit Nacken-Lappen anziehen.“

Wir genießen die frische Luft und treten dann die Heimreise an. Nach einer großen Portion Spaghetti Carbonara zum Abendessen – wir verschwenden keinen Gedanken mehr an salzfreie Alternativen, fällt Junior in tiefen Schlaf.

Heute Nacht wird er nicht bei uns schlafen. wenn er weint, bleiben wir hart.

Es ist nur wegen den Nachbarn, bei lautem Weinen, können die ja auch nicht schlafen. Und außerdem ist es schön. Die Nacht war dennoch mäßig, Junior viel zu früh wach. Lag es doch an den ausgedehnten Schläfchen tagsüber? Wir glauben schon.

Heute lassen wir ihn mal nicht so viel schlafen, dann wird die Nacht bestimmt besser.

8.15: Frühstück

9.30: Junior sieht müde aus. Vielleicht kurz hinlegen.

11.30: eine Stunde schlafen reicht. Gleich wecken wir ihn.

11.45: nur noch 15 Minuten, dann muss er wirlich aufstehen.

12.30: er ist von selbst aufgewacht. Wir glauben, er hat den Schlaf wirklich mal gebraucht.

13 Uhr Abfahrt zum Ledro See. Der See ist wunderschön. Klar in kräftigem Türkis liegt er vor uns.

Wir füttern den Junior und wandern los.

13.15 erneut eingeschlafen. Soviel wie er geschlafen hat, kann es nicht lange dauern.

14 Uhr nichts rührt sich. Liegt an der Bergluft. Die macht nunmal müde.

15 Uhr Cappuccino Pause. Schnarchen aus dem Buggy.

Der See ist umrundet. Fertig zum Aufbruch streckt sich was im Wagen. Die Laune ist so fantastisch, dass wir noch großartige Momente auf dem Spielplatz erleben. Wir genießen es. Gut,  dass wir ihn haben schlafen lassen. Mit der Nacht hat das doch gar nichts zu tun.

Letzter Stopp Malcesine. Hier genießen wir noch drei Nächte mit unseren Paten und deren Kindern. Mittlerweile schläft Junior bis acht und turnt abends bis zehn.

Im Urlaub hat er den gleichen Rhythmus wie zu Hause.

Urlaub ist doch was Schönes. Leider büßt man mit der stundenlangen Auto-Heimfahrt wieder 20 Prozent Erholung ein. Junior hat nun gar keinen Rhythmus mehr und weint die halbe Fahrt. Nach einer strapaziösen Gepäck Schlepperei in unser oberstes Stockwerk blicken wir auf die Massen an Wäsche, die es nun zu Waschen und später zu Bügeln gilt.

Eins ist sicher: Wir müssen weniger mitnehmen.

Nächstes Mal wirklich…

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