Bahamas – Traumstrand und schwimmende Schweine

Endlich im Hotel. Wir sind bereits über 20 Stunden auf den Beinen und haben drei Flüge hinter uns gebracht. London, Miami, Nassau. Der letzte Flieger war so klein dass nur an die 15 Leute darin Platz hatten. Die Stewardess hat den Sicherheitshinweis auch nur kurz hochgehalten und es sich dann auf dem Sitz bequem gemacht. Kann ja jeder selbst durchlesen.

Dann mit dem klapprigen Taxi bis nach Paradise Island. Die Fensterscheibe ist runtergefallen und die Fußbremse scheint auch defekt zu sein, zumindest hält der Fahrer immer über eine stotternde Handbremstaktik an. Aber es ist uns alles egal. Auch als er es gar nicht dringlicher zeigen kann dass wir endlich aussteigen sollen. Wir sind nur müde. Der mäßig informative CheckIn lässt uns kalt. Kalt wie die Dusche, die uns auch auf rotester Stufe nicht wirklich aufwärmt. Egal. Heute alles egal. Wir wünschen uns nur ein großes Bett. Und das steht da. Gute Nacht Bahamas. Ab morgen sind wir richtig da. 2014 BahamasGuten Morgen Nassau. Wir zwei kriegen gleich Probleme. Mit Regen sind wir nicht einverstanden. Das gibt es auch zu Hause. Wir suchen ein Café und setzen uns hin. Wifi kostet 23 Dollar am Tag. Wasser 8. Keine Nachrichten an die Zurückgebliebenen. Das Trinken macht uns schon arm. Wir erkunden das Hotel und den riesigen Komplex drumherum. Alles erinnert uns an Disneyland. Kleine Haie schwimmen unter den Brücken, Wasserfontänen sprühen aus Fischmündern, Casinos und Töpferwerkstätten zum Zeitvertreib. Pavillons geformt wie kleine Muschelhäuser aus Arielle, wären da nicht die unglaublich unförmigen, unfassbar dicken Touristen, die mit XL-Colabechern in der Hand trotz rotverbranntem Körper erneut zum Sonnenaufgang gehen. 2014 BahamasDer Strand ist schön. Der Sand ist weiß und fein, das Meer klar und angenehm kühl. Zur Hauptsaison wäre ich trotzdem nicht gerne hier, erinnern die  zahlreichen Türme aus Strandliegen daran, wie voll es hier auch sein kann. Nach einem zögerlichen Sonnenbad laufen wir über die lange Brücke, die Paradise Island mit der Hauptinsel New Providence verbindet. Neugierig starren wir auf die kleinen Buden am Potters Cay, an dem wir eigentlich das nationale Hauptgericht, die Conchmuschel testen wollten. Irgendwie ist es uns dann doch nicht so ganz geheuer, als wir sehen wie der kleine Fleischklumpen mit dem Messer aus der Schale gestochen und dann mit dem Hammer weichgeklopft wird und wir gehen gemütlich zum Hotelkomplex zurück, um unten am Hafen ein typisches Amigericht zu verdrücken. 2014 BahamasEin neuer Tag beginnt und nach zwei Bechern Kaffee mit zwei kleinen süßen Teilchen für über 20$ laufen wir nach Nassau Downtown. Die Sonne brennt und auf der steilen Brücke bringt uns die Hitze beinahe zum Umdrehen. Wir laufen an zerfallenen Shops und leergefegten Straßen entlang. Alles sieht verlassen und runtergekommen aus. Hier und da lungert ein verwildert aussehender Bahamese an der Häuserwand und mustert uns gelangweilt. Je näher wir dem Anlegeplatz der großen Kreuzfahrtschiffe kommen, umso schöner wird es. Im Zentrum angekommen leuchtet ein rosafarbenes Haus im britischen Kolonialstil auf dem gepflegten Platz hervor. 2014 BahamasWir steigen die vielen Stufen der Queen´s Staircase hinauf und besuchen ein Fort. Ein Guide informiert uns mit geschichtlichem Hintergrund, leider kann ich bei seinem lieblosen Genuschel, das er maschinengewehrartig herunterrattert, kein einziges Wort verstehen und nicht mehr wiedergeben, als dass die Aussicht schön war. 2014 BahamasUm halb zwölf finden wir uns neben dem Piratenmuseum ein. Hier beginnt unsere gebuchte True Bahamian Foodtour. Lexi stellt sich vor, wir sind nur eine kleine Vierergruppe der sie ihre Heimat etwas näherbringen möchte. Mit viel Infos und Hintergründen zur Stadt und den Bahamesen, erwartet uns in einem der ältesten Restaurants der Stadt die Delikatesse dieses Landes. Conch. Gesprochen „Konk“. Die Muschel. Frittiert mit scharfer Soße wagen wir uns an das Abenteuer und sind überrascht-es schmeckt total lecker. 2014 BahamasWir essen Reis mit Bohnen und geschmortem Hühnchen, machen eine Bierprobe, testen Schokolade mit Meeressalz, hausgemachte Limonade und genießen Apfelstrudel und griechischen Salat. Wie untypisch für die Bahamas? Von wegen. Lexi erklärt alles und wir saugen jedes Detail auf. Wir gehen durch den wunderschönen Garten eines 5 Sterne Hotels, vorbei an dem rosafarbenen Regierungssitz, trinken Orangentee und testen unsere Sinne mit den scharfen Mangosaucen und Gewürzen von hier. Einzig die Conch Chowder, eine Suppe mit viel Muschelfleisch, ist nicht so unser Ding. Geschmacklich fantastisch gewürzt mit Kokosmilch und vielen scharfen Kräutern, aber die großen Stücke der Conch Muschel sind zäh wie Gummi und müssen viel gekaut werden. Geschmacklich aber neutral und nicht annähernd so eigenartig wie erwartet. Die Muschel liegt dennoch danach wie ein Gummiklumpen noch stundenlang in unserem Magen. Abschließend vernaschen wir noch einen feuchten Rumkuchen und schon ist die Tour vorbei, die Mägen gefüllt und wir wissen etwas mehr über das Land, das wir gerade bereisen. 2014 BahamasWir sind ziemlich müde vom vielen Laufen und nehmen die Fähre zurück nach Hause ins Hotel. Ein Bahamese springt auf und erklärt an jedem Haus an dem wir vorbeischippern, welchem Prominenten es gehört. Dann fahren wir noch an der James Bond Drehstätte von Thunderball vorbei, die ihre besten Zeiten auch schon längst hinter sich gebracht hat. Dann schlafen wir früh ein. 2014 BahamasEs geht im Morgengrauen los. Es hat die ganze Nacht gestürmt und wir haben kaum geschlafen. Wir wachen viel zu spät auf, werfen alles in die Rucksäcke und rasen zum Flughafen. Bei diesem Sturm-Wetter in solch ein Bananenflugzeug steigen? Ich muss verrückt sein. Mein Puls geht schneller. Wir rollen über die Landebahn und ein Wunder geschieht, die Wolken ziehen auf, die Sonne kommt hervor. Der Sturm ist vorbei. Leicht wacklig aber durchaus  erträglich erlebe ich den 45 minütigen Flug. Wohlbehalten landen wir in Arthurs Town auf Cat Island, dem wohl kleinsten Flughafen, den ich je gesehen haben. 2014 BahamasWir laden unser Gepäck selbst vom rostigen Anhänger ab und sehen unseren Gastgeber Frank, der uns netterweise hier abholt und in unsere zauberhafte Unterkunft bringt. Ein kleines Häuschen mitten in den Hang am Strand gebaut. Hier sind wir mit drei anderen Paaren die einzigen Bewohner dieser Inselhälfte, wir befinden uns in Shannas Cove Resort. Leider ist der Wind so stark, dass uns Frank leider gleich mitteilt, dass Tauchen erstmal nicht möglich sein wird. Wir sind enttäuscht. Dennoch genießen wir den restlichen Tag auf unserem Balkon mit Blick aufs Meer und werden abends mit einem traumhaften Drei-Gänge-Menü verwöhnt.2014 BahamasFür den nächsten Tag haben wir uns einen Mietwagen gegönnt. Wir bekommen die Schlüssel, keine Papiere, nichts zu unterschreiben. Echt „bahamesisch“ eben. Wir fahren die einzig existierende Straße entlang vom nördlichsten Punkt Orange Creek, an dem wir wohnen bis in die Mitte der Insel bei New Bight. Cat Island sieht wie ein langer Stiefel aus, die ganze Insel ist komplett grün und in der Mitte zieht sich die Straße von oben bis unten. Unterwegs sehen wir zerfallene und verlassene Häuser. Manchmal wirkt es wie eine Geisterinsel, kaum ein Auto das uns entgegenkommt. Hin und wieder winkt uns ein kleines Kind auf der Straße freudig hinterher. Hinter New Bight biegen wir ab. Hier befindet sich der höchste Berg der Bahamas, der Mount Alvernia mit 63m Höhe. Wir steigen die knapp 10 Minuten zum Gipfel hinauf.2014 BahamasDie erste Hälfte ist gar nicht so leicht zu erklimmen, dann sind Stufen in den Fels gehauen. Auf der Spitze befindet sich die von Father Jerome selbst erbaute Hermitage, die er im Jahre 1939 fertigstellte und bewohnte. Die Aussicht ist toll, es herrscht eine besondere Atmosphäre auf diesem kleinen Gipfel. Man kann den Zauber förmlich spüren.2014 BahamasNach der Besichtigung fahren wir an den südlichsten Zipfel der Insel und kühlen uns am Devils Point im türkisfarbenen Meer ab. Soweit das Auge reicht sind wir die einzigen Badegäste. Wir genießen den pudrigen Sand und die Hitze für eine gute Stunde. Dann macht sich der Hunger bemerkbar. Wir treten den Rückweg an und machen Rast bei Yardie’s Restaurant in Bennett’s Harbour. Die kleine Bude ist berühmt für ihren frisch zubereiteten Conch Salad. So wagen wir uns an die fremde Kost und bestellen diesen und zur Sicherheit noch ein paar Conch Fritters, die wir schon kennen und für gut befunden haben. Im kleinen Kiosk wird gewaschen, geklopft und geschnitten. Dann wird das exotische Gericht in Plastiktellern an den Tisch gebracht und wir sind überrascht, dass es gar nicht so übel schmeckt. Leider ist die bahamesische Würzschärfe für unseren deutschen Gaumen zu viel und wir können es nicht zu Ende essen. Aber lecker hat es geschmeckt. Mein Rachen brennt noch die ganze Heimfahrt wie Feuer.2014 BahamasEin Sturm ist heute über die Insel gefegt. Meterhohe Wellen und Wind mit 40km/h fegen über Land und Wasser. Wir verbringen den Tag mit Lesen und Faulsein. Abends ein erneuter Gaumenschmaus und heitere Unterhaltung mit den Gastgebern. Das Paar ist ein eingespieltes Team und wir müssen schmunzeln, wenn erst Frank an die Bar kommt und uns eine nette Geschichte erzählt, dann verschwindet und wenn seine Frau auftaucht, sie zufällig die identisch gleiche Story zum Besten gibt. Wir verdrücken Lachs mit Balsamicolinsen, eine Ente und ein cremiges Panna Cotta. So muss Urlaub schmecken. Da es bereits früh dunkel wird, holt uns am frühen Abend schon die Müdigkeit ein und wir gehen zum Bungalow zurück. Dann sehe ich den Sturz wie in Zeitlupe. Mein Schatz bleibt mit dem Flipflop an der Treppenstufe hängen und stürzt kopfüber zwei volle Treppenabsätze hinunter. Sekunden, die sich wie Stunden anfühlen, in denen er regungslos auf dem Boden liegt und ich die schlimmsten Befürchtungen habe. Dann rappelt er sich auf. Er wirkt benommen und hält sich den Arm. Im Bungalow kühle ich den Ellbogen mit einer eiskalten Coladose und versorge die fiesen Schürfwunden mit einer Heilsalbe. Ich hoffe, es ist nichts gebrochen. Kurze Zeit später schläft er ein. Hoffentlich ist morgen wieder alles in Ordnung. 2014 BahamasWir sind früh wach. Der Arm ist dick geschwollen und tut ihm sehr weh. Zur Ablenkung unternehmen wir eine Wanderung zum Man-O-War. Wir schlängeln uns durch einen kleinen Pfad und gelangen zur nördlichen Spitze von Cat Island. Der Strand ist fantastisch und menschenleer. Leider sind die Wellen so hoch, dass wir uns nicht ins Wasser trauen. So faulenzen wir eine Weile, dann treten wir den Rückweg an. 2014 BahamasAufgrund der Hitze war es doch anstrengender als gedacht und mit dem Einsetzen des Regens ziehen wir uns zur Entspannung auf unser Zimmer zurück. Abends testen wir den ersten Hummer unseres Lebens. Er ist so riesig, dass jeder eine Hälfte nimmt und selbst diese schaffen wir nicht aufzuessen. Das letze Essen, der letzte Abend. Morgen geht die Reise weiter. DSC08495_Fotor_CollageVerwirrung am Miniflughafen. Der Flieger sollte uns in Arthurs Town aufpicken, dann nach New Bight zwischen-fliegen und dann nach Nassau übersetzen. Jetzt ist es andersherum. Kein Problem, wir warten. Dann wird doch wieder zurückgetauscht. Ach ja… Unser Gepäck wird auf den zauberhaften Wagen aufgeladen. Wir warten und können nicht einsteigen. Unsere Plätze sind wohl noch besetzt. Keiner will aufstehen. Dann geht es los. Nach kurzen 15 Minuten erreichen wir New Bight. Alles steigt aus. Wir sind alleine im Flieger. Die Stewardess erzählt uns ihre Lebensgeschichte und wir fühlen uns wie 2 Promis im eigenen Flieger. Selbst durch die verdreckten Fenster ist das tiefblaue wunderschöne Meer zu sehen und die zahlreichen kleinen Cays, die sich wie Perlen auf einer Kette aufreihen. 2014 BahamasWillkommen auf Exuma. Jeder grüßt und ist freundlich. Taxifahrer Willi steht bereit, um uns abzuholen. Er scheint schon an die 70 Jahre alt zu sein. In gemächlichem Tempo bringt er uns zum Wagen und tuckert mit uns in unsere neue Unterkunft. Hier nimmt uns Gastgeber Peter in englischer Höflichkeit auf und nachdem er uns alles im Haus und unserem Zimmer gezeigt hat, nimmt er uns sogar auf eine kleine Spritztour mit, um uns alle Örtlichkeiten „live“ zu zeigen.
Wir lassen uns am Supermarkt absetzen, kaufen noch das Nötigste, unterhalten uns mit den aufgeschlossenen Einheimischen, gehen dann Abendessen und schon ist der erste Tag auf dieser schönen Insel bereits vorbei. Am nächsten Morgen lassen wir uns erneut von Willi abholen und nach Georgetown fahren. Willi fährt Schrittgeschwindigkeit. Hier legt das Watertaxi nach Stocking Island ab. Wir beobachten das bunte Treiben und Verladen von Essen und werden von allen gegrüßt. Auch das tote Schwein, das nach dem Aufladen vorne auf dem Boot aus der Tüte schaut, entgeht unseren Augen leider nicht. 2014 BahamasDann geht es los. Captain Elvis fährt uns zur gegenüberliegenden Insel und plappert die ganze Fahrt. Das Wasser ist türkis und der Sand weiß und feinpudrig. Wir machen eine lange Wanderung an der Atlantikseite und dürfen das traumhafte Meer alleine genießen. Nach ein paar Kilometern treten wir den Rückweg an, waten wieder Brusthoch mit unseren Sachen durch einen Meeresarm und sind dann in der Nähe des Boot-Anlegestegs angekommen. Im Restaurant Chat `n Chill wird uns schnell dessen tatsächlicher Name bewusst – einfach jeder der sich darin befindet, quasselt mit jedem munter drauf los und es dauert nicht lange, bis wir den Besitzer Benneth kennenlernen, der auf das hauseigene Rezept seines Cole Slaws schwört und uns gleich als Beweis ein Test-Schüsselchen voll servieren lässt, um uns dann nebenher seine ganze Lebensgeschichte zu erzählen. Er ist schon viel auf der Welt herumgekommen und kann uns während des Mittagessens die ein oder andere unterhaltsame Geschichte erzählen. Auch wenn ich es kaum für möglich gehalten hätte, wir haben tatsächlich einen unfassbar leckeren frisch gegrillten Burger in dieser Kneipe bekommen und mit der Info über seine nun geheiratete vierte Ehefrau verabschieden wir uns von Benneth. 2014 BahamasJetzt wird es Zeit, noch ein wenig Sonne zu tanken. Vorne am Strand beobachten wir, wie Conch-Salad zubereitet wird. Frischer geht es wohl wirklich kaum, denn die Muschel wird zuerst aus dem Meer gefischt, dann rausgestochen, ent-„kernt“ und mit frischen Zutaten zum Salat fein kleingeschnitten. 2014 BahamasDa wir dieses Geschmackserlebnis bereits kennengelernt haben, gehen wir vor ans Wasser. Hier tummeln sich viele neugierige Rochen in allen Größen, die sobald man im Wasser steht über die Füße schwimmen und einen sanft mit der weichen leicht glitschigen Unterseite berühren und so gar keine Scheu vor Menschen zu haben scheinen. Wirklich ein Erlebnis. Ein paar Touristen sind von dem starken Rumpunch schon so angeschwipst, dass sie im Wasser tanzen oder am Strand eingeschlafen sind. Wirklich ein Spektakel2014 BahamasWir werden früh abgeholt. Don sollte uns an der Hauptstraße aufpicken, ist aber früher dran und steht vor unserer Türe. Noch ein paar weitere Personen und es geht los mit dem Boot. Captain Sugar und Sohn heißen uns willkommen. Zuerst schippern wir gemütlich durch kleine Mangrovenwälder und beobachten in welchem Tempo Schildkröten an uns vorbeizischen. Das Wasser ist so klar, dass wir an einer anderen Stelle unzählige große Rochen im Wasser entdecken können. Sugar Junior holt uns einen wunderschönen Seestern vom Meeresboden, den wir nach dem Bestaunen natürlich wieder in die Freiheit entlassen. Er war ganz schön schwer, ich hatte mir immer vorgestellt, dass er sich eher wie ein fluffiger leichter Schwamm anfühlt. 2014 BahamasIm Anschluss verlangt Sugar, dass sich alle hinsetzen, die Fahrt geht los. Das Meer ist so türkis, wie es kein Aquarell-Farbkasten zaubern könnte. Vorbei geht es an den Privatinseln der Reichen und Schönen. Auf einer gehen wir an Land und beobachten die Leguane, die auf Futter hoffend schon auf uns zuwatscheln.2014 BahamasDann springt Sugar ins Meer und ertaucht uns in kürzester Zeit 8 Conch Muscheln. Oje, wir müssen schon wieder Conch Salat essen, befürchte ich. Als er plötzlich mit dem Speer einen wunderschönen Angelfisch ersticht, bin ich etwas traurig. Eigentlich sind die schönen Karibiktierchen nicht auf der Speisefischliste und ich hoffe, dass er nicht aus reiner Lust am Jagen erlegt wurde. 2014 BahamasWir machen Rast an der Thunderball Grotte, die im gleichnamigen 007 Film Bestandteil hatte. Wir tauchen durch den hohen Wasserstand nach innen und sind von der Größe der Höhle überrascht. Hier tummeln sich viele Fische und die starke Strömung treibt einen hinten wieder hinaus, wo schon Sugar mit dem Boot auf uns wartet. Das Boot ist richtig schnell und wir schanzen durch das Wasser. Immer näher kommen wir zu dem persönlich am meist herbeigewünschten Ziel: Big Major Cay – der Ort, an dem die kleinen Schweinchen wohnen. Als wir mit dem Boot in die Bucht fahren, kommen die Schweine schon vom Berg hinunter geschossen und ohne Scheu vor Wasser schwimmen sie auf unser Boot zu. Mein Schatz streichelt vom Boot aus den Rücken eines rosa Schwimmbootes und wird richtiggehend angeschrien. Die Sau erlaubt kein Streicheln ohne Futter. Ich springe vom Boot und schwimme auf die Schweinchen zu. Süße kleine Ferkelchen, die wir alle bereits aus unzähligen Magazinen und Werbebildern kennen? Rosa, niedlich mit Stupsnäschen, die keiner Fliege etwas zuleide tun? Weit gefehlt. Nicht hier. 2014 BahamasAußer einem etwas kleineren rosa Tierchen, das dennoch normale Schweinegröße hat, sind nur gigantische Riesentrümmer im Wasser, die mit großer Geschwindigkeit und lautem Gegrunze auf einen zurasen und gefüttert werden möchten. Ich habe meine Kamera in der Hand und versuche ein paar nette Bilder zu machen. Leider halten die gefrässigen Riesenkaliber dieses technische Equipment ebenfalls für Essbares und beginnen allesamt auf mich zu zu schwimmen. Mit der Kamera hoch in den Armen, um sie vor Salzwasserschäden zu bewahren, flüchte ich vor den hungrigen Angreifern. Sie lassen nicht locker, grunzen stoisch fordernd und rammen mich mehrfach von hinten. Ein dickes Schwein beißt mir zur Krönung doch tatsächlich in meinen Hintern. Ich kann es nicht fassen. Mein Schatz lacht Tränen auf dem Boot. Außer Puste und dennoch im Glück steige ich wieder ins Boot. Schon während der Weiterfahrt verfärben sich einige Stellen meiner Körpers blau und der blutige Zahnabdruck auf meiner rechten Pobacke gibt meinem Schatz heitere Stunden, wann immer sein Auge darauf fällt. Wir legen an einem Dock an und gehen zum Schnorcheln ins Wasser. Hier sollen uns die freundlich gesonnenen Ammenhaie begegnen. 2014 BahamasUnser Guide packt den erlegten Angelfisch und mir wird klar, für wen er diesen erlegt hat. Wir stehen im Wasser und direkt vor unsere Füße wirft er ein Stück Fisch. Keine Sekunde später tauchen zahlreiche der schönen Jäger auf und schnappen sich das leckere servierte Essen. Wir können sie sanft berühren und ihre raue Oberseite bestaunen. Manchmal schmusen sie im Vorbeigleiten förmlich an unsere Seite. Wir fahren weiter zum letzten Stopp unseres Ausflugs. Eine Sandbank mitten im Meer. Während wir hier herumspazieren bereitet Sugar uns den Conch Salat der selbst gefangenen Muscheln zu. Auf der Sandbank sehen wir, wie die Sonne untergeht. Atemberaubend. Dann geht es 1,5 Stunden im Speedtempo mit 50 Knoten zurück nach Exuma. Wir sind völlig erschöpft, aber hatten wirklich einen der besten Tage unseres Lebens.2014 BahamasHätten wir nicht bereits ausgemacht, uns mit einem netten deutschen Pärchen zum Essen zu treffen, würden wir einfach nur in unser Bett fallen. So raffen wir uns aber auf, duschen kalt und erleben auch noch einen wirklich schönen Abend, an dem wir viel lachen.

Wir nehmen unseren kleinen Mietwagen und fahren über die Brücke, die Exuma mit Little Exuma verbindet bis an den südlichsten Zipfel. Hier wurde ein Teil des Films „Fluch der Karibik“ gedreht. Im berühmten Santanna´s saß „Jack Sparrow“ angeblich auch zu jeder Drehpause. Es liegen Beweisfotos aus. Das Essen sieht wirklich lecker aus und wir genießen die Atmosphäre. Wir lesen noch ein wenig am Tropic of Cancer Beach, dann machen wir uns fertig, um mit unseren neuen Bekannten den Abend in Shirleys Fish Bude zu verbringen, wo wir uns einen Kokosnuss Grouper schmecken lassen.2014 BahamasHeute fahren wir mit dem Auto die nördliche Inselseite entlang. Nach einer knappen Stunde sind wir bereits am Ende angelangt. Hier liegt das idyllische Lokal Exuma Point. Die Gastgeberin Maryann empfängt uns warmherzig und führt uns zum einheimischen Essenbuffet. Das Essen ist lecker und wir schlagen uns den Bauch voll. Um zwei Uhr soll das Boot kommen, um uns zu einer kleineren Insel zu fahren, auf der wohl auch Schweine leben, diesmal aber wirklich kleine. Die Zeit nutzen wir, in dem wir an dem wunderschönen Strand planschen und lesen. Leider warten wir umsonst. Kein Boot taucht auf. Der Fahrer hatte wohl etwas anderes zu tun. Und so fahren wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Egal. Wir sind im Urlaub. 2014 BahamasEs ist soweit. Wir verlassen Exuma. Nach einem leicht verregneten Tag fällt uns der Abschied dennoch nicht leichter. Zurück mit dem Flieger nach Nassau und im Anschluss diesmal keine Bananenkiste, sondern eine Ananaskiste. Welche seriöse Fluggesellschaft nennt sich bitte Ananas Air?? Ich steige in den Zehnsitzer und muss leider halb liegen, weil mein Sitz völlig kaputt ist. Vertrauenserweckend. Die Maschine ist so klein, dass der Pilot selbst die Treppe hochnimmt und die Türe schließt. Es wackelt, es hüpft, es geht. Zum Aushalten. Dann sind wir da. Eleuthera.2014 BahamasWir nehmen uns erstmal Zeit fürs Mittagessen, dann treffen wir Maureen, die uns zu unserem letzten Domizil, ein eigenes Häuschen am Strand bringt. Wir wurden von ihr bereits mit seitenlangen Emails mit Benimm-Hinweisen versorgt. Bitte Abschminken vor dem Zubettgehen wegen den weißen Leintüchern, kein Sand im Haus. Jetzt erzählt sie alles nochmal live. Wir bekommen eine gefühlte Ewigkeit erklärt was wir alles nicht tun dürfen oder nicht kaputt machen dürfen. Dann nimmt sie uns 500 Dollar Deposit ab. Dafür müssten wir ja die ganze Holzhütte abbrennen. 2014 BahamasEntweder hier haben viele Rowdies gehaust oder Maureen ist etwas pingelig. Wir haben aber mehr Verständnis, als wir das Kleinod von innen sehen dürfen, es ist wirklich wunderschön. Wir haben eine große Küche, Terrasse mit Meerblick, ein Schlaf- und ein Wohnzimmer. Was ein Luxus. Wir lassen den Tag ruhig ausklingen, lümmeln ein wenig am Strand und genießen das kühle Nass. Danach kaufen wir ein paar Lebensmittel ein und schauen uns ein wenig in Governor`s Harbour, der nächstgrößeren „Häuseransammlung“  hier um und beobachten die Möwen am Hafen, die sich je einen Holzpflock als Ruheposten erkoren haben. Wir stehen früh auf und fahren mit dem Mietwagen in den Norden. Nachdem es auf den Bahamas wie auch in vielen anderen Ländern keine Straßenschilder zu geben scheint, irren wir fast zwei Stunden sinnlos auf Schotterwegen umher, weil wir den kleinen Hafen nicht finden, an dem das Wassertaxi nach Harbour Island übersetzt. Wir fahren über die hässliche Window Glass Bridge, die allerdings nur aus Beton besteht. Als wir den Ablegepunkt dann endlich gefunden haben, ist es schon Mittag. Wir setzen in einer kurzen Viertelstunde zur anderen Insel über. 2014 BahamasHarbour Island hat Charme. Direkt nach der Ankunft mieten wir uns ein kleines Golf-Cart und düsen damit durch die kleinen Gässchen. Das macht richtig Spaß. Alle Menschen winken uns zu und lächeln. Die Häuser sind meist wunderschön verziert, in zarten Pastelltönen gestrichen und machen einen liebevoll gepflegten Eindruck. Überall findet sich die Ananas, auf Mauern und in Holz geschnitzt. Wir stärken uns mit den Zimtschnecken einer kleinen Bäckerei und steuern auf den berühmten Strand zu. Pink Sands. Dieser Strand soll anscheinend rosafarben sein. Ich kann es nicht glauben. Auf den ersten Blick sieht er aus wie jeder andere Strand hier auch. Wir gehen am Wasser entlang und je nachdem wie die Sonne auf das flache Wasser scheint, kommt mir der Sand tatsächlich etwas rosa vor. Ich nehme ein bisschen nassen Sand in die Hände und betrachte ihn näher. Tatsächlich sieht es aus, als seien kleine rosafarbene Körnchen zwischen die normalen gestreut. Wir genießen das neue Farbenspiel und spazieren ein wenig mit den Füßen im Wasser herum. 2014 BahamasEin wunderschöner Tag. Der letzte Tag mit Mietauto. Und noch so viel, was wir noch nicht entdeckt haben auf dieser Insel. Heute fahren wir bis in die südlichste Spitze hinunter. Die Fahrt dauert länger als erwartet. Längst haben wir das letzte kleine Dorf hinter uns gelassen und fahren seit einer gefühlten Ewigkeit auf einer eng von Büschen und Bäumen gesäumten Schotterpiste entlang. Über eine Stunde hoppeln wir im Auto abwechselnd nach links und rechts oder machen einen kleinen Satz, wenn wir ein großes Schlagloch passieren. Als mir schon fast die Lust am Entdecken vergeht, scheint sich endlich das Dickicht zu lichten und wir erreichen den Leuchtturm und den kleinen einsamen Strand. Der Sand ist ebenfalls leicht rosa und das Meer wie gewohnt klar und schön hellblau. Gerade als wir unsere kleinen Sandstühle aufgebaut haben, um ein wenig entspannt in die Fluten blicken zu können, braut sich ein dunkler Wolkenmix zusammen und der Regen setzt ein. Ich flüchte mich ins Auto, werde aber in kürzester Zeit von so vielen kleinen Sandfliegen gebissen, dass ich mich ins Meer stürze. Wenn man nass ist, ist der Regen egal. So schwimmen wir im Meer und warten, dass die dunklen Wolken weiterziehen. Einziger Fehler im Paradies? Die lästigen und gemeinen Sandfliegen folgen einem auch ins Wasser. So macht es keinen Spaß. Ich dränge zum Heimweg. Doch mein Schatz hat Spaß im Wasser bei Regen und lässt sich noch länger bitten. Als es auch ihm mit den Blutsaugern zu ungemütlich wird, setzen wir uns ins Auto. „Stell dir vor, man sitzt hier fest“, spaße ich. „Die Fliegen würden einen in den Wahnsinn treiben.“ Noch während wir lachen, höre ich, wie das rechte Hinterrad im Sand durchdreht und wir keinen Meter vorwärts kommen. Ich steige aus und bin schockiert. Der Reifen ist zur Hälfte im Sand versunken. So ein Mist!

Wir stecken fest.

Es ist erstaunlich, welch Phasen man in solch einer Situation durchlebt. Erst schmunzelt man noch, weil man alles doch nicht ganz so ernst nimmt und eh denkt, gleich wieder darüber lachen zu können. Nach dem zweiten und dritten Versuch, in dem sich der Hinterreifen nur immer hoffnungsloser in den Sand gräbt, wird man etwas nachdenklicher und sucht nach Lösungen. Jetzt haben wir verstanden, dass es wirklich ernst ist. Wir graben mit den Händen um den Reifen herum. Wir liegen auf dem Bauch im Dreck, stechen uns an Dornen, wir reißen Wurzeln aus. Die Fliegen stürzen sich unerbittlich auf uns. Man sieht kaum noch Haut zwischen den Stichen. Neuer Versuch – das Rad dreht durch. Mein Schatz sucht Hilfe, er läuft weiter zum Leuchtturm, hier haben wir noch ein weiteres Touristen Auto gesehen. Der Amerikaner lehnt erst höflich ab, er habe keine Zeit. Doch mein Schatz lässt nicht locker. Ein am Ufer angespültes Fischernetz will er als Abschleppseil nutzen und überredet den zeitlosen Urlauber, ihn mit dem Auto rauszuziehen. Viele Knoten, Seilkünste und Kreativität später stehen wir mit gerissenem Netz und ohne zweites Auto da. Immer wieder keimt dennoch Hoffnung auf. Es muss irgendwie gehen.  Wir wollen hier nicht festhängen. Wir graben wieder. Unterlegen mit Steinen und Stöcken. Unser Körper ist ein einziger Mückenstich. Das Rad dreht durch. Jetzt setzt auch noch der Platzregen ein. Er kühlt unsere juckende Haut. Der Rest ist schon egal. Wir sind nass, dreckig, wundgestochen und völlig entkräftet. Zum vierten Mal setzen wir den durchgerosteten Wagenheber an, um das Rad freizulegen und mit festerem Boden zu versehen. Erneutes Durchdrehen. Bald tun wir das auch. Was tun? Der Weg zum Dorf wird ein fünfstündiger Fußmarsch. Ich bin mir sicher, viele Paare hätten sich jetzt bereits seit einer Stunde in den Haaren, um sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben. Erneuter Versuch, alles unter dem Rad ist mit Steinen unterlegt. Doch sie sind zu rutschig. Der Reifen greift nicht. Ich kann das Geräusch des sich windenden Reifens nicht mehr ertragen. Mir fällt nichts mehr ein. „Das Auto schafft die Steigung aus der Senke nicht“, denke ich. Dann müssen wir es so hoch aufbocken, dass wir den Weg darunter ebenerdig machen können. Mein Schatz stimmt dieser Idee zu. Ihm fällt nichts besseres ein. Ein letzter Versuch, denn sonst haben wir weder Kraft noch weitere Ideen. 2014 BahamasJeder Schmerz im Arm vom Sturz ist vergessen, selbst die störenden Fliegen bemerken wir nicht mehr, alles Adrenalin kommt zusammen und die rostige Karre wird höher und höher gepumpt. Ich laufe im Regen in das Dickicht und grabe weiter im Boden nach Steinen. Wer hätte gedacht, dass diese hier so rar gesät sind? Doch immer wieder grabe ich einen grauen Retter aus. Sie sind schwer und ich schleppe sie einzeln zum Wagen zurück. Die tiefe Grube muss bis an den Anschlag gefüllt werden. Als der Wagenheber senkrecht steht, legen wir die vielen Steine darunter und füllen mit Dreck und Geäst auf. Wir drücken beide im Geiste die Daumen. Wir wissen, dass es unsere letzte Möglichkeit ist. Das Auto wird gestartet. Vor – das Rad dreht durch – zurück – wieder Durchdrehen. Vor-zurück und vor-zurück. Der Rhythmus wird schneller, wie eine Wiege schaukelt das Rad auf den glatten Steinen. Dann macht es einen Satz. Und der Wagen ist aus der Grube. Wir sind gerettet. Wir lachen und klatschen uns ab. Gleichzeitig lassen wir den Wagen mitten auf dem Weg stehen und rennen ins Meer, um uns den Dreck vom Körper zu waschen. Dann nichts wie nach Hause. Zurück lassen wir nur eine oberflächliche Ansammlung von Steinen. Keiner ahnt, wie viel Schweiß und Nerven uns dieses Loch gekostet hat. Am nächsten Morgen sind wir noch immer sehr kaputt. Das Jucken hat uns kaum Schlafen lassen. Wir haben Muskelkater und jeder Knochen tut weh. So schaffen wir es nur bis zur Sonnenliege am Strand und brennen die teuflischen Stiche mit Sonne, Sand und Meersalz aus. 2014 BahamasEs hat die ganze Nacht gestürmt. In so einem Holzhäuschen fühlt es sich an, als fliege man gleich davon. Das Meer hat große Wellen und der Himmel ist Wolkenverhangen. Wir können es kaum erwarten, dass endlich der Morgen anbricht. Wir sitzen am Flughafen in Nassau. Zurück mit dem Ananasflieger, ein kurzes Mittagessen am Hafen und schon ist es vorbei. Drei Wochen im Paradies. Das ist es wirklich. Oder wie Willi sagen würde:

„oh yes man“.

2014 Bahamas

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