Südafrika und Swaziland – Krüger, Garden Route, Wildcoast bis Kapstadt

Es ist wieder soweit. Endlich wieder die Welt entdecken. Wir sitzen an Gate Z62. Die erste Enttäuschung- keine Sitzplätze nebeneinander. Die Check-in Dame weist uns fast vorwurfsvoll darauf hin, dass die Flugplätze seit gestern online vergeben sind. Ich schaue mich um. Unsere Mitreisenden sind einheitlich Rentner.

Nur weiße und graue Köpfe stehen am Schalter für Südafrika an. Haben sich diese alle tatsächlich bereits am Vorabend online eingecheckt? Wirklich im Ernst, online? Ich denke an meinen Papa, daran, wie er abends fleißig mit seinem neuen IPhone übt. Es ist soweit.

Die ältere Generation hat uns eingeholt.

Sie haben ihre Sitzplätze und wir sind im derzeit größten Flieger gefühlte Meilen auseinander platziert. Kurz vor Boarding, er versucht sein Glück und ich weiß nicht wie, aber wir bekommen 2 neue Tickets – in der allerletzten Reihe, beide beisammen. Ich freue mich. Wir landen. In einem heftigen Gehoppel kommen wir über die Landebahn zum Stillstand. Ich würde zu gerne den Zustand des Bodens sehen, ich stelle ihn mir voller Schlaglöcher vor, so fühlt es sich zumindest an. Kein Auge zugetan. Ich bin echt müde. Kofferschlacht, das Übliche. Dann zum Mietwagenschalter. Das Auto ist noch nicht da. Wir sollen in einer Stunde wiederkommen. Wir bekommen einen VW Polo extra lang. Nennt sich Vivo, kenne ich gar nicht von zu Hause. Sieht ziemlich doof aus. Egal, hauptsache, er fährt. Alle Menschen sind sehr nett und lächeln uns an. Wir fahren los und versuchen uns anhand meiner vorbereiteten Google Maps Ausdrucke zu orientieren, was aber irgendwie nicht so richtig funktionieren will, denn die Straßen heißen anders oder sind gar nicht erst eingezeichnet. Letztendlich navigieren wir mit dem iPhone, eindeutig die bessere Variante. Erster Stop: Apartheidmuseum. Veranschaulichung der Rassentrennung. Wir gehen zum auf dem Ticket ausgezeichneten Eingang. Zutritt nur für Weiße. Gut aufbereitetes Wissen und schockierende Informationen. Müde und erschöpft bewirkt dieses traurige Thema eher völlige Resignation. Das Museum ist neuwertig und wunderschön. 2013 SüdafrikaDie aktuelle Mandela Ausstellung lassen wir aber aus, da wir kaum noch die Augen offenhalten können und noch ein paar Kilometer Autofahrt vor uns liegen. Eine Stunde entfernt erreichen wir die Cradle of Humankind, die Wiege der Menschheit. Hier wurde ein weiterer Baustein der menschlichen Evolution gefunden. Was bei uns die Lucy, ist hier Little Foot. Wir begeben uns in die Sterkfontein Caves. Die kühle Luft macht uns wacher. Wir begutachten die Limefelsen, bestaunen Stalagmiten-Bauten und zwängen uns durch kleine Tunnellöffnungen hindurch, um ein bisschen mehr Geschichte unserer Rasse zu verstehen. Wer Platzangst hat, ist hier fehl am Platz. SüdafrikaWir haben dennoch die Grenze unserer Aufmerksamkeit erreicht und fahren weiter zur heiß ersehnten Unterkunft in Pretoria. Nach einer weiteren Stunde sind wir da. Im gepflegten Viertel Wonderboom liegt das wunderschöne Guesthouse, vor dem wir schon sehnsüchtig von zwei aufgeregt am Zaun hochspringenden Bassetts mit wirbelnden Schlappohren erwartet werden. Wir beziehen unser Zimmer und sind sofort verliebt. Die freistehende Badewanne, der große Garten mit Pool, das gemütliche Wohnzimmer mit Ohrensesseln und den dunklen schweren Möbeln, die gesamte Einrichtung ist mit sicherem geschmackvollen Händchen drapiert und zeigt Liebe in jedem Detail. Das lässt uns die anstrengende Schlaflosigkeit verzeihen.

Die Gastgeber behandeln uns wie ihre Familie.

2013 SüdafrikaNach dem Abendessen werden wir auf die riesige Couch auf der Terrasse zu leckerem südafrikanischen Rotwein eingeladen und lauschen den spannenden Geschichten von André, aus denen wir viele historische Dinge in Erfahrung bringen können. Wir lachen viel, besonders als sie noch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und von dem Gastehepaar aus Texas erzählen, das extra nach Südafrika geflogen kam, um die berühmten Pyramiden zu sehen. Danach fallen wir in das breite englische Landhausbett, um endlich den noetigen Schlaf zu finden. Die Nacht war wunderbar. Die Gastgeberin hat bereits Frühstück gemacht, wir sind früh auf den Beinen. Frisch gestärkt verabschieden wir uns und sind alle traurig, dass wir bereits weiterziehen müssen. Wir fahren nach Dullstroom, weiter nach Lydenburg und begutachten das kleine Goldgräberstädtchen Pilgrims Rest, in dem wirklich die Zeit stehengeblieben scheint. 2013 SüdafrikaNachmittags kommen wir im nächsten Ziel Graskop an. Nach der gestrigen Unterkunft sind wir von der einsilbigen Begrüßung fast enttäuscht, was sich durch das dunkle muffige Höhlenambiente der Unterkunft kaum bessert. So entfliehen wir wieder hinaus in die Natur und besuchen die nahegelegenen Lisbon Falls und lauschen dem Donnern des herabfallenden Wassers. 2013 SüdafrikaWir sind gut im Zeitplan und erklimmen die Stufen zum Aussichtspunkt God’s Window, mit Blick über ein endloses grünes Tal. Wir steigen weiter bis in den Regenwald hinauf und können kaum glauben, dass wir uns wirklich in Afrika befinden, so saftig und grün wie alles leuchtet. 2013 SüdafrikaNach einer geplagten Nacht auf einer Matratze, die aus Beton gemacht scheint, stärken wir uns in dem typischen Pfannkuchen Lokal des Städtchens. Während wir sitzen, wird noch unser Tisch geschrubbt, der Boden gewischt und die Köchin frühstückt erstmal. Dann kommt ein riesiger Pfannkuchen und mit dem landestypischen Kaffee genießen wir den frühen Morgen und sind froh, bereits gestern einen Blick aus dem Fenster Gottes geworfen zu haben, denn heute nimmt der Nebel jede Sicht ins Tal und kühle Temperaturen zwingen uns die warme Jacke an, die wir so gerne unbenutzt wieder nach Hause getragen hätten. 2013 SüdafrikaWir besichtigen Bourke’s Luck Potholes, wunderschöne ausgewaschene Felsen inmitten des Blyde Flusses. Ein bisschen mehr Sonne und der Ort wäre nicht nur magisch, sondern auch noch perfekt. 2013 SüdafrikaAuch an den Three Rondavals fahren wir nicht vorbei, sondern bestaunen die fantastische Aussicht über die Berge. Alles ist grün und voller Bäume. Leider liegt der neblige Dunst noch immer in den Tälern und Baumspitzen. 2013 SüdafrikaWir sind im Krüger Park angekommen. Über eine 3 km lange Schotterpiste, die sich in eng liegenden Serpentinen auf und ab schlängelt, erreichen wir unsere Lodge. Wir werden mit einem Cocktail und feuchten Tüchern erwartet, das Auto wird geparkt und alles aufs Zimmer gebracht. Unsere Suite ist atemberaubend, ein Himmelbett, eine Außendusche, Lederliegen auf der großen Terrasse, alles auf Stelzen über den Olifant River gebaut. 2013 SüdafrikaWir werden noch vor den gemeinen Affen gewarnt, die sich gerne ins Zimmer schleichen, dann lassen wir uns auf die einladende Liege fallen und genießen das warme Klima und die zirpenden Geräusche um uns herum. Schon eine Stunde später werden wir zu einem himmlischen Mittagessen gerufen, das wir unter einem großen Baum voll tobender Affen einnehmen, um im Anschluss direkt zu unserem ersten Gamedrive zu starten. Wir fahren mit dem Safari Jeep erst ein paar Meter aus dem Camp, als wir unser Glück kaum fassen können. Eine Löwenmutter verspeist mit ihren zwei Jungen ein frisch erlegtes Impala.

Ein Game Drive ist ein perfektes Abenteuer.

 2013 Südafrika DSC05257_Fotor_CollageIn aufgeregter Stille beobachten wir das Futterspiel, hören die brechenden Knochen und erleben das brüderliche Raufen um frisches Fleisch. Wir fahren weiter auf kleinen Pfaden, kämpfen die Äste aus dem Gesicht und werden direkt an der nächsten Stelle von zwei fressenden Elefanten überrascht. Elefanten fressen nur 25 Prozent dessen, was sie von den Bäumen reißen und hinterlassen ein Baumchaos auf ihren Wegen. Überall sieht man die abgeknickten Bäume und entzwei gerissene Stämme. Ein Dickhäuter kommt dem Auto sehr nahe, kurz werde ich etwas unruhig bei dem nahen Anblick der Riesenhaftigkeit vor mir, dann dreht er ab und geht weiter. 2013 SüdafrikaWir sind von Glück geküsst, denn so laufen uns noch drei Zebras über den Weg und einige Wasserbüffel. Als wir den Sonnenuntergang mit einem Glas Rotwein genießen, hören wir ein Löwenrudel in der Ferne brüllen. Craig, unser Ranger will sich dazu in die Nähe begeben. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaMittlerweile ist es dunkel geworden und wir steuern durch die Taschenlampe des Trackers Oupa durch die Wege. Am Wasserloch sehen wir sie liegen. Eine ganze Löwenfamilie, die sich faul und zufrieden in die Gräser kuschelt. 2013 SüdafrikaAls ob dieser Moment noch zu überbieten sei, hören wir weiteres Geraschel und ein anderer Teil des Clans mit vielen kleinen Jungen erreicht das Rudel. So sitzen wir gebannt im offenen Safari-Car und beobachten die 15 Familienmitglieder, die vor uns posieren. Wir werden wirklich verwöhnt, was für ein Glück. Nach einem gourmetgleichen Abendessen verschwinden wir in unser bereits aufgedecktes Himmelbett, denn wer Tiere sehen will, muss früh raus. 2013 Südafrika

5 Uhr morgens.

Es klopft an der Tür. Wecken nicht nötig, denn die Horde Affen auf unserem Bungalowdach hat uns bereits intensiv wachgetrommelt. Zeit für den nächsten Gamedrive. Obwohl wir beide sehr müde sind aus einem ruhigen guten Schlaf gerissen wurden, siegt die Neugier und wir starten wieder gebannt in die trockenen Geäste, aus denen überall Frühlingsknospen sprießen, gespannt, was es heute zu entdecken gibt. Wir besuchen die noch immer am Fluss ruhende Löwenmutter mit ihren kleinen Babys. Das eine kleine ist kaum zu entdecken, so gut ist es farblich getarnt. Ich muss zweimal hinschauen. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaDie zwei tollen herum und machen sich neugierig auf in unsere Nähe. Bis zum Jeep kommen sie schnuppernd dauergetapst, dann ertönt der besorgte Ruf der Mutter und sie rennen zurück. Auch in diesen frühen Stunden ist uns das Glück an der Seite, denn 7 Flusspferde sammeln sich am Ufer und wir begutachten die niedlich wirkenden, nicht zu unterschätzenden Giganten mit ihren kleinen zuckenden Ohren im schlammigen Wasser. 2013 SüdafrikaEin Gnu, zahlreiche Giraffen, sogar eine hochschwangere Dame, zwei Warzenschweinfamilien und eine kleine Herde Zebras entdecken wir ebenfalls im dichten Gebüsch und auf den freien Wegen. Sogar ein hier nicht von uns erwarteter kleiner Hase wird im Gebüsch entdeckt. 2013 SüdafrikaWir kommen an eine Stelle, an der die Löwen Siesta halten. Wir wissen direkt, warum, als wir die dickbäuchige blutgetränkte Fellstatur der Löwen sehen. Auch der nicht essbare Rest der erjagten Giraffe liegt noch da. Fressen und gefressen werden. So ist die Natur. Trotzdem irgendwie anders, wenn man es live sieht. 2013 Südafrika 2013 SüdafrikaEndlich entdecke ich auch die Ursache für das unentwegte Jucken unter meinem Tshirt und Fische einen dicken 4 cm großen hummelartigen Brummer aus meinem Ausschnitt, der gleichermaßen erleichtert ist wie ich, endlich wieder in freier Natur fliegen zu können. 2013 Südafrika 2013 SüdafrikaBei unserem letzten gemeinsamen Abendessen in großer Runde erzählen wir uns gegenseitig von den wunderbaren Tieren, während im Hintergrund die Flusspferde die sprudelndsten Laute von sich geben, bis uns die Müdigkeit ins Bett fallen lässt. 2013 SüdafrikaDie Reise geht weiter. Als hätten sie es alle gewusst, reihen sich die Tiere bei unserer Ausfahrt nochmals aneinander. Die Affen kreischen uns zu und die Giraffen liegen direkt an der Straße, es wird uns wirklich nicht leicht gemacht, hier weiterzuziehen. Doch das nächste Land wartet. Und so drehen wir dem wunderschönen Krüger Park den Rücken zu.2013 Südafrika

Nach vier Stunden Autofahrt in quälender Hitze erreichen wir die Grenze und beantragen unsere Einreise in das Königreich Swaziland. Mein Schatz wird sofort der gestempelte Pass überreicht, bei mir dauert es etwas länger. „What is dis?“ werde ich von dem Beamten gefragt, der eben meinen Führerschein zwischen den Blättern des Reisepasses entdeckt hat. „Driver’s license“ erkläre ich das alte rosafarbene Papierfaltwerk. Er klappt alles zusammen und schaut mich lange an. „Why don’t you have the new one. The card?“ Ich lächle ihn an und sage, dass ich ein altes Mädchens sei, daher auch der alte Führerschein und keine neue stylische Karte. Er ist zufrieden, nimmt es brummelnd zur Kenntnis und wir dürfen einreisen. Wir bemerken einen kleinen Unterschied zu Südafrika, mehr Menschen auf der Straße, viel mehr Ziegen und Kühe mit dabei auf der Straße und alles hat etwas mehr dörflichen Charakter. 2013 SüdafrikaNur die Läden am Straßenrand ähneln sich. Hier finden sich Supermärkte, Autowaschanlagen, Fahrschulen, Friseure, es ist unglaublich. Fast hätten wir das kleine Hinweisschild am Rande der Straße übersehen. Zu dem Eco-Reserve Phophonyane hier abbiegen. Kilometerlang stolpern wir durch Waldwege, Schotterpisten und künstliche Walle, dann erreichen wir das mitten im Naturschutz gelegene Reservat. Wir werden mit unserem Gepäck weiter durch die Natur geführt, kleine Wege führen uns immer weiter nach unten und mittendrin steht es: Das original Bienen-Häuschen, der Bee-hive, eine anscheinend typische Unterkunft in Swaziland. 2013 Südafrika

Ich fühle mich wie eine Biene in der Wabe.

Schon beim Eintreten bemerken wir, dass auch im Inneren eher alles nach Bienengrösse ausgerichtet ist und wir zum Eingang, sowie Bad und WC eher hineinkriechen müssen. Unschlüssig, ob wir uns über diese Erfahrung freuen oder lieber Reißaus nehmen sollen, gehen wir erstmal zurück in Richtung des Hauptbaus, um uns mit einem Abendessen zu stärken. Die fantastische Aussicht und die Tatsache, diese alleine genießen zu dürfen, erfüllt uns mit einer angenehmen inneren Ruhe. Wir kühlen uns innerlich mit einem landestypischen Bier (Castle) und nach weiteren Abkühlungen dieser Art, haben wir uns mit unserem neuen Heim angefreundet. Willy und Maya fallen um halb acht aufs Strohbett, um angenehme zehn Stunden zu schlafen, bis die warmen Sonnenstrahlen durch die kleinen Bienenfenster und das Strohdach fallen und uns hinausziehen. So zieht es uns früh weiter, wir stoppen nur auf einem traditionellen Markt, auf dem wir ein paar Souvenirs für unsere Eltern erfeilschen, um im Anschluss das schöne Königreich bereits leider wieder hinter uns zu lassen. 2013 SüdafrikaWeitere 5 Stunden Fahrt liegen vor uns, bei denen wir den Straßenrand mit kleinen niedlichen Betonhäuschen wahrnehmen. Kein Bienenhäuschen weit und breit, vermutlich waren wir heute Nacht die traditionellsten Swaziländer und wurden kopfschüttelnd von allen belächelt, in solch einem antiken Gehäuse zu nächtigen. Als käme man nach Europa, um in einer Höhle zu schlafen… Ich verbuche es unter „besondere Erfahrungen„. 2013 SüdafrikaTrotz aller guten Verkehrsverhältnisse, es hat nicht rechtzeitig nach St. Lucia gereicht. Als wir in der zauberhaften Lodge ankommen, ist bereits das letzte Boot zur Hippo&Croc Tour aufgebrochen. Leider keine Nilpferde mehr an diesem Tag, dabei ist dieser Ort doch so berühmt dafür. Managerin Tessa heißt uns willkommen. „Hallo, ihr müsst die Meier’s sein.“ Ich schüttle den Kopf und nenne unseren richtigen Namen. Sie lächelt und gibt uns das Anmeldeformular einer Familie Ziegler. Ich wiederhole den Namen und deute auf das richtige Blatt im Stapel. Wir fragen nach der Bootstour, leider erst morgen wieder. Tessa bietet an, diese für uns zu organisieren. 2013 SüdafrikaWir planen um und entscheiden uns, früh morgens in den Isimangaliso Wetland Park zu gehen. Leider vor dem Frühstück. Tessa macht uns ein Frühstück zum mitnehmen, wir sollen es halb sieben abholen. Jetzt wollen wir erstmal an den Strand, danach bekommen wir unsere Boottickets. Die Managerin drückt uns eine kleine Karte in die Hand und rät uns zu einem Strandspaziergang. 2013 SüdafrikaWir fahren zu einer Aussichtsterrasse und beobachten bei einem Milchshake bereits das erste Krododil, wie es durch den Fluss treibt. Als wir am Strand zwischen den Dünen spazieren hören wir das aus dem Krüger bekannte „Grunzen“ und laufen auf die Geräuschkulisse zu. Nicht zu nah, denn wie wir mittlerweile wissen, gilt es nicht die Löwen am meisten zu fürchten, sondern die unberechenbaren Flusspferde, die einen beim geringsten Schrecken einfach platttrampeln. Wir nähren uns dem Geröhre am Schilf und da sehen wir sie. Ein Dutzend Hippos im Wasser, die Mäuler weit aufgerissen und sich gegenseitig neckend. 2013 SüdafrikaWir bewundern die dicken Schwimmer bis die Sonne langsam untergeht und gehen dann den Hinweisen der Ansässigen nach. Bei Dämmerung werden die Hippos wanderlustig, also nichts wie zurück in die Unterkunft. So fahren wir zurück in die Innenstadt und genießen ein ausgiebiges Abendessen. Pappsatt sehne ich nur noch mein Bett herbei, wir tuckern gemächlich die dunkle Straße entlang. Das Licht fängt etwas ein. Einen dicken braunen Ballon. Ein Schwänzchen dran. Ich glaube es nicht:

Ein dickes Hippo mitten auf der Straße.

Ehrfürchtig und mit angehaltenem Abend halten wir in sicherem Abstand an, haben den Rückwärtsgang vorsichtshalber eingelegt und bewundern das große Wesen. 2013 SüdafrikaZurück in der Lodge fragen wir nach unseren Boottickets. Tessa hat keine Ahnung, wovon wir sprechen. Wir erklären, dass wir morgen früh erst in den Park, dann auf die Tour möchten. „Oh“, sagt sie traurig, „leider verpasst ihr das Frühstück.“ Wir erklären ihr, was sie uns bereits versprochen hat. Sie verspricht erneut, ein Frühstück auf halb sieben vorzubereiten. Die Nacht ist kurz, wir stehen auf. Kein Frühstück vor der Tür. Dafür am Nachbar-Bungalow. Wir suchen Tessa und sie ist ganz erstaunt, dass wir nicht in Bungalow 1 übernachtet haben. Wir bedanken uns für alles und packen zusammen. Als letzte Frage noch, wie wir auf diese schöne Lodge gekommen seien. Wir berichten, dass Freunde von uns hier letztes Jahr waren und diese empfohlen haben. Tessa will die Namen wissen, sie meint, sie könne sich immer gut erinnern. Darüber schmunzle ich in mich hinein. Ganz sicher kann sie das… 2013 Südafrika2013 SüdafrikaDirekt geht es zum ISimangaliso Wetland Park, der Name bedeutet Wunder und schnell wird klar, dass dies mehr als treffend ist. Wir sind die ersten Besucher so früh am Morgen und werden dafür mehr als belohnt. Zahlreiche Zebras, Gnus, Kudus, Affen, Vögel, Hippos und ein im Schlamm badender Pumbaa, ein niedliches Warzenschwein. Auch einige Wasserbüffel dürfen wir aus nächster Nähe bestaunen. 2013 Südafrika2013 Südafrika2013 SüdafrikaUnd wenn man so viel Schönheit sieht und es nicht mehr zu steigern ist, läuft das gefragteste Tier unserer Reise neben uns her. Ein schwarzes Nashorn. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaWieviele vergebliche Stunden sind wir im Krüger hinter diesem seltenen Tier auf der Pirsch gewesen und da steht er einfach und trottet neben uns auf der Straße her. Ich bin überwältigt. Der Gedanke an das mächtige Tier begleitet uns die weite Fahrt bis nach Durban und lässt uns das stickige wilde Städtchen, das man bei Dunkelheit eher meiden sollte, einfach unscheinbar erscheinen.

Durban gefällt mir nicht.

Es ist schmuddelig und laut, die Straßen sind vollgestopft mit hupenden Minicars und die Gebäude am Rand sind total zerfallen. 2013 SüdafrikaWir sind völlig ausgehungert und erreichen eine Biker Bar. Leider müssen wir über eine Stunde warten, bis die Küche geöffnet hat. Es kommt ein Gewitter auf, dessen ohrenbetäubender Donner uns alle zusammenzucken lässt. Nichts wie zurück ins trockene Zuhause. Wir sind mal wieder früh auf den Beinen und genießen dass bisher üppigste Frühstück. Danach fahren wir zum Moses Mahbida Stadion und fahren mit dem Skytrain bis oben auf das Dach, um eine fantastische Aussicht über ganz Durban zu haben. 2013 SüdafrikaDanach geht es in Richtung des uShaka Aquarium, vorab gehen wir aber noch ein paar Schritte die schöne Strandpromenade auf und ab, leider ist das Wetter sehr trüb und regnerisch und so gehen wir in das nachgebaute Schiffswrack, dessen Aquarien riesig und liebevoll designt sind, um die Fisch-, und Haiwelt Südafrikas kennenzulernen. 2013 SüdafrikaDann geht es zurück auf die Autobahn Richtung Port Shepstone, heute nur eine kurze Fahrt, bis wir in dem königlichen Guesthouse ankommen, das einem historischen Gutshof ähnelt. Wir werden von zwei riesigen Doggen empfangen und eine Siamkatze läuft maunzend zwischen meinen Beinen hindurch. Das große Haus liegt an einem Fluss und ist wunderbar in die Natur eingebettet und völlig isoliert. Die Hausherrin führt uns durch die vielen Zimmer des Hauses und erklärt und zeigt uns alle historischen Besonderheiten, die Brandmale auf der Holztreppe, die alten Öllampen und vieles mehr. 2013 Südafrika Wir planen, einen Spaziergang zum Fluss zu machen, doch das einsetzende Regenwetter hält uns leider zurück. Und so lesen wir im Bett, bis uns die Augen zufallen. Nächster Morgen, 7 Uhr. Heute steht eine große weite Fahrt an. Wir fahren entlang der Wild Coast. Die Strecke, bei der jeder andere Reisende den Kopf geschüttelt hat, weil man es besser fliegen sollte. Wir fahren trotzdem. Und jeder Einheimische gibt uns Recht, denn dies sei mit die schönste Strecke. Von Port Shepstone nach St. Jones und weiter bis East London. Die Landschaft ist es wert. Tosende Wellen, Felsformationen im Sand und als wir weiter landeinwärts kommen, sehen wir das grünste Südafrika, das wir bisher gesehen haben. Wir fahren an schönen Hütten und ärmlichen Wellblech bauten vorbei. Alle haben jedoch eins gemeinsam: vor jedem Haus ist eine kleine Toilette aufgebaut. Ich vermute ein Loch im Boden, doch als wir an einer offen stehenden Türe vorbeikommen, entdecke ich eine richtige Toilettenschüssel in dem zerfallenen Bau. Wir kommen in dem Dorf vorbei, in dem Nelson Mandela das Licht der Welt erblickt hast. Hier tummeln sich Menschenmassen auf den Straßen, es gibt kaum ein Durchkommen mit dem Auto. Alles liegt voll mit Müll, es herrscht pures Gedränge. 2013 SüdafrikaHier wird eingekauft, Schafe und Hühner drängen sich in kleinen Käfigen, Kleidung liegt auf dem Boden auf einem Stück Folie ausgebreitet zum Verkauf aus. Indische Händler verkaufen Autozubehör. Hier ist wirklich was los. Die Sonne brennt unverzeihlich auf uns nieder, die Klimaanlage im Auto hat längst aufgegeben. Trotz der Hitze hat jeder Mann hier eine Mütze auf seinem Kopf. Keinen kühlenden Sonnenhut, sondern meist eine grob gestrickte Wollmütze. Und die Frauen tragen hier auf dem Land einschließlich wie die Damen in der Stadt alle eine schlecht sitzende Perücke. Aber Mode war noch nie logisch… Wir erreichen East London, ein schönes gepflegtes Städtchen, doch nach der langen Fahrt sind wir nur noch für „kurz eine Pizza holen und endlich schlafen“ zu haben. Ausgeruht geht es für uns weiter. Wir fahren weiter in Richtung Port Elizabeth. Wir treffen am Gate ein.

Addo National Park

180 000 ha Grünfläche. 2013 SüdafrikaWir erhalten eine Karte des Geländes und eine Art Checkliste zum Abhaken, welche Tiere wir gesehen haben. Wir schmunzeln beide, eine Liste zum Abarbeiten, genau mein Geschmack. Wir sehen die Warnhinweise am Straßenrand, die uns bereits vom Reiseführer her bekannt sind. Bitte nicht über Elefantenkacka fahren, denn hier arbeitet der Mistkäfer und rollte kugelrunde Bälle, die das Weibchen dann in der Erde vergräbt und so die Böden fruchtbar hält, damit der Geldbaum wachsen kann, den die Elefanten so lieben. Außerdem zu beachten, Mistkäfer haben immer Vorfahrt. Und schon stoßen wir auf die ersten beiden rollenden Gefährten, die gute 5 cm groß sind und beobachten, wie sie fleißig am Rollen immer wieder von ihrer eigen Kugel überfahren werden und auf dem Rücken landen. 2013 SüdafrikaWir sind viel zu verwöhnt und stören uns an den vielen Touristen, die vor und hinter uns im Auto herfahren. Schon erleben wir den ersten Idioten, der laut die wilden Zebras anhupt – wahrscheinlich hat keines der Tiere in seine Fotolinse geblickt. Wir erblicken die ersten Elefanten, ein junges Exemplar scharrt mit Füßen und Rüssel Stücke Gras aus dem Boden, um diese zu fressen. Auch Kudus, Affen und verschieden Buschböcke kreuzen unsere Wege. Plötzlich taucht eine hundeartige Gestalt am Straßenrand auf und kommt näher. Es ist ein Schwarz-Rücken-Schakal, der völlig unbeeindruckt von uns am Auto vorbei joggt. Weiter geht die spannende Entdeckungsreise, mucksmäuschenstill im Auto sitzend, schauen wir unter jeden Baum und Busch, aufgeregt, etwas entdecken zu dürfen. Mein Safari Partner beweist wieder die besseren Augen, er entdeckt einen Rock Monitor Lizard, der kaum sichtbar in einiger Entfernung durch die hohen Gräser wandert. Eine große Elefanten Herde ist in weiter Entfernung zu sehen. Es sind zahlreiche Kinder dabei, doch leider streikt meine Kamera bei dieser Entfernung und wir müssen uns von dem Gedanken daran, die kleinen Dickhäuter besser zu sehen, leider verabschieden. Doch ich werde schnell getröstet, denn wie bestellt, taucht mein Liebling aus den umliegenden Büschen auf und präsentiert mir stolz seine tolle Frisur, die wie ein wilder Irokesenschnitt im Wind weht. 2013 SüdafrikaIch habe ein neues Wunsch-Haustier gefunden, ernte dafür aber nur Kopfschütteln. Langsam wird es dämmrig, der Park schließt leider bald und wir fahren Richtung Ausgang. Unsere Liste hat 17 Haken bekommen. Der Löwe, die Hyänen und der Leopard haben sich leider wieder nicht von uns entdecken lassen. 2013 SüdafrikaPort Elizabeth ist ein schönes Städtchen, direkt am Meer gelegen. Wir machen uns auf in Richtung „Summerstrand“ um endlich ein wenig Meer zu genießen, doch der Wind ist zu stark, um etwas Hinzuliegen. Wir erreichen unser Guesthouse und müssen eine halbe Stunde vor der verriegelten Türe stehen, bis endlich jemand das Stacheldraht-Tor aufmacht. Die Hausherrin wirkt sehr verwirrt, vielleicht eine Schwester von Tessa. Wir beziehen unsere Riesenwohnung und stellen gleich erfreut die dort vorgefundene Waschmaschine an. 2013 SüdafrikaAm nächsten morgen fahren wir bis an das Cape Recife und spazieren zwischen den Möwen und dem schönen Leuchtturm umher. Es stehen viele Angler auf den Felsen, die gemeinsam mit dem Möwen auf einen fetten Fang warten. Hier befindet sich auch das Rehabilitationszentrum Samrec für kleine Pinguine, das allein auf freiwillige Helfer baut. Wir bekommen eine Führung von einem netten Herren, dem man die Liebe zu den kleinen Federlingen sofort anmerkt und saugen die vielen Informationen auf, die wir bekommen. 2013 SüdafrikaJedes Tier hat eine eigene tragische Geschichte, voller Öl aufgefunden, die Flügel gebrochen, ausgehungert… Wir sehen die kleine Sue, die gerade in der Mauser ist, deswegen nicht ins Wasser kann und daher ziemlich schlechte Laune hat. So lernen wir alle Patienten kennen, die entweder bandagiert oder anderweitig verarztet werden, bis sie gesund genug sind, wieder in die freie Natur gehen zu können. 2013 SüdafrikaWir beobachten die kleinen noch ein wenig beim Planschen, dann machen wir uns auf den Weg nach Schotia, unsere letzte Safari. Wir treffen in Schotia ein und sind überrascht. Es ist alles ausgebucht. Hat uns das Glück etwa verlassen? Ich kann es kaum glauben. Wir müssen warten, ob noch jemand abspringt. So setzen wir uns für eine knappe Stunden nach draußen und warten. Aha – das Glück ist uns noch wohlgesonnen. Genau zwei Plätze werden frei, die wir dankbar einnehmen. Schotia hat nicht so viel Tiere und ich ärgere mich über uns, dass wir schon so verwöhnt sind und manchen kaum noch Beachtung schenken. Der Mensch ist wirklich furchtbar. Glücklicherweise sehen wir noch ein paar für uns neue Tiere und ein so seltenes Breitmaulnashorn. Doch wo ist das Horn nur geblieben? 2013 SüdafrikaAndrew der Ranger erzählt uns die traurige Geschichte. Wilderer haben das Nashorn vom Helikopter aus betäubt, um ihm dann das Horn abzusägen, für das sie in China Millionen bekommen. Einzig allein, um ein paar Reichen anscheinend die Potenz zu erhöhen. Menschen sind widerwärtig. Falls an dieser Geschichte noch überhaupt etwas Gutes sein kann, dann dass sie die Tiere wenigstens haben leben lassen, nicht selten sieht man Fotos von verbluteten Tieren, denen die halbe Nase mit abgerissen wurde. Nach diesem traurigen Anblick machen wir uns auf in Richtung Abendessen. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaIch freue mich, denn die Temperaturen sind eisig kalt und der Gedanke an ein wärmendes Lagerfeuer hat mich durchhalten lassen. Kurz davor hören wir ein tiefes Gebrüll, ich glaube es kaum, der König der Löwen kommt auf eine grosse Grünfläche und legt sich dort nieder, die schöne Mähne schüttelnd. Leider schafft meine Kamera diese Entfernung nicht und wir können die Erinnerung nur im Herzen mittragen. Das Abendessen mit Kudufleisch ist lecker und wir wärmen uns auf, bevor wir im Anschluss wieder zurück zu unserem Auto gebracht werden. 2013 SüdafrikaAm nächsten Morgen machen wir uns auf über Stormriver bis nach Knysna zu fahren. Wir halten an der Bloukrans Bridge an, der Welt höchster BungeeJump. 2013 SüdafrikaWir beobachten die Adrenalinjunkies, die im 10 Minuten Takt von der über 200m hohen Brücke springen. Mir fällt kein Preis ein, für den ich mich aus dieser Höhe hinabstürzen würde. Wir sehen viele, die sich ihr Video vom Sprung abholen, die meisten alle junge Mädels. Zu alt geworden für solche Abenteuer und glücklich damit, fahren wir weiter Richtung Tenikwa Rehabilitationscenter, 50 km vor Knysna gelegen. Wir habe noch massig Zeit, bis unsere Tour beginnt und so buchen wir einfach noch eine weitere hinzu und begehen mit dem Guide sämtliche Gehege aller dort lebender Wildkatzen. 2013 SüdafrikaBis auf den Leoparden dürfen wir in alle Käfige hineingehen und die Tiere aus nächster Nähe bestaunen. Dann ist es endlich soweit: „Gassi-geh-Zeit“! Wir sind zu sechst und warten vor dem Gehege auf unsere zwei Cheetahs, die beiden Geparde, mit denen wir spazieren gehen dürfen. Beide an die Leine und es geht los. Schnell wird klar, dass die beiden eigentlich eher mit uns spazieren gehen, aber es ist einfach unglaublich. Dicht am Körper des Gepards läuft man durch den Wald, bleibt stehen, wenn es etwa zum Beschnuppern gibt oder Reviere zu Markieren, rennt, wenn es ihm nach Rennen ist und lässt die Leine los, wenn er zum Jagen losrennen mag. Und zwischendrin? 2013 SüdafrikaWenn unser Cheetah mal wieder einfach mitten auf den Weg liegen möchte, dann setzen wir uns hinter ihn und kraulen ihn an der schwarzen Stelle hinter seinen Ohren, die besonders flauschig und weich sind und hören zu, wie genüsslich er dazu schnurrt.

Ich kraule einen Gepard.

Wenn man die Tatsache vergisst, dass schnellste Landtier vor sich zu haben, das zudem ein gefährlicher Jäger ist, dann könnte man das friedliche Schmusetier für ein Hauskätzchen halten. Die 1 1/2 Stunden vergehen wie im Fluge, es ist wirklich ein Erlebnis. Wir bringen unsere beiden Helden zurück in ihr Gehege, wo sie mit frischem Fleisch versorgt werden und treten mit einem wunderbaren Gefühl im Herzen die Weiterreise nach Knysna an. 2013 SüdafrikaKnysna ist sehr touristisch, aber ein tolles idyllisches Plätzchen in einer tollen Lagune, zwischen beeindruckenden Felsen, die aufgrund der herrschenden Unterströmung eine der gefährlichsten Buchten der Welt ist. Wir fahren hoch auf eine Aussichtsplattform und genießen die aufkommende Hitze. Trotz des leckeren Essens entfliehen wir den vielen deutschen und schweizerischen Stimmen um uns herum und sehnen uns nach etwas mehr Einsamkeit. Vermutlich werden wir dies auf der restlichen Reise eher vermissen müssen.2013 SüdafrikaWir fahren am Strand entlang bis nach George, um dann in Serpentinen wieder ins Landesinnere bis Oudtshoorn zu fahren. Wir besichtigen eine Straußenfarm und erfahren einiges über das Legen, Ausbrüten und Schlüpfen der Eier. 2013 SüdafrikaEs ist nicht die beste Führung die wir je hatten, aber es ist nett und kurzweilig. Die Temperatur hat mindestens 40 Grad erreicht und selbst mir läuft der Schweiß am Körper hinab. Von den andauernden Moskito-Attacken mal abgesehen. Wir dürfen ein kleines Straußenjunges auf den Arm nehmen und ich bin überrascht, wie wenig fluffig es sich anfühlt. Das junge Federkleid ist eher etwas stachelig und gleicht von der Farbe her optisch eher einem Igel. 2013 SüdafrikaWir füttern die erwachsenen Strauße und ich stelle erleichtert fest, dass ihr Picken nicht wie befürchtet wehtut, sondern der Schnabel sehr soft und angenehm auf der Hand auftrifft. Man darf sich auf einen erwachsenen Strauß setzen und Fotos machen. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Tiere wirklich für die teilweise völlig aus der Form geratenen dicken Touris geeignet sind, die sich auf die ahnungslosen Tiere setzen. Dann wird ein kurzes Rennen veranstaltet. Führung vorbei. 2013 SüdafrikaErleichtert und mittlerweile komplett klebend mit roten Juckstellen und Bisswunden freuen wir uns auf eine kühle Dusche in der Unterkunft. Gesagt, getan, wir fühlen uns wie neugeboren. Nur eine dicke Beule macht sich bereits jetzt an meinem Bein bemerkbar. Und dann noch der Hunger. Das direkt neben uns liegende Lokal wird uns wärmstens ans Herz gelegt. Wir genießen tatsächlich eines der besten Essen, die wir je hatten. 2013 SüdafrikaWährend sich mein Schatz an zartes Straußenfilet wagt, bleibe ich lieber fleischlos und büße dennoch nichts an Geschmack ein. Der Wein macht uns müde und das ist gut so. Denn um vier Uhr morgen früh klingelt der Wecker. Mein persönliches Highlight dieser Reise steht an… 2013 Südafrika

Es ist viel zu früh.

Es ist noch stockdunkel. Wir sitzen um 4.30 Uhr schon wieder im Auto und fahren zu unseren Treffpunkt mit Devey, einem Naturschützer, der sich hier dem Leben der ansässigen Erdmännchen gewidmet hat. Diese halten normalerweise einen Sicherheitsabstand von bis zu 300 Metern, daher ist es nie möglich, sie in der freien Natur aus der Nähe zu beobachten. Devey hat über ein halbes Jahr gebraucht, um sich ihnen meterweise täglich zu nähern und sie an seine erzählende Stimme zu gewöhnen. Jetzt kann er sogar Touristen mitnehmen. Wir setzen uns vor die Erdlöcher in kleinen klappbaren Campingstühlen und warten vor dem Bau, in dem die Erdmännchen übernachtet haben. Devey kommt jeden Abend auf das riesige Feld, um nachzuschauen, wo sie sich zum Schlafen in welchen Bau begeben, denn dies ist wohl täglich neu bestimmt. Wir dürfen uns unterhalten so laut wir möchten, aber keine ruckartigen Bewegungen oder Rascheln verursachen, was einem feindlichen Angriff gleich käme und die Tiere sofort in ihren Bau ohne schnelle Chance auf Rückkehr rennen ließe.
Dann heißt es warten… Eine halbe Stunde ist um. Ich gähne unentwegt. Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und wärmt unseren Rücken. Wir warten weiter.

Ich sehe ein Köpfchen aus der Erde lugen.

2013 SüdafrikaDer Auskundschafter verschwindet und weckt seine Familie. Letztendlich stehen alle 10 Familienmitglieder auf den kleinen Hügeln und wärmen sich die hellen Bäuche. Sie horchen, sie schauen. Manchmal hüpfen sie auf und ab. Wir interessieren sie nicht im Geringsten. Uns wird keine Sekunde Beachtung geschenkt. Selbst die klickenden Kamerageräusche sind uninteressant. Wir sind aber alle gemeinsam ähnlich müde und so gähnen nicht nur die kleinen Männchen-Macher, sondern auch wir im Sonnenschein um die Wette. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaIm Anschluss stärken wir uns mit einem leckeren Frühstück und einigen Tassen Kaffee. Wir fahren über den Swartberg Pass mitten durch die Redstone Hills in Richtung Swellendam, die Landschaft könnte direkt in den Alpen stehen, so satt grün und schön sind die Berge um uns herum. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaWir machen eine kurze Rast bei Ronnys Shop – eine kleine Bar, die durch die nächtliche Schmiererei und den Textzusatz „Sex“ zu unglaublicher Berühmtheit gelangt ist. Eine erfrischende Cola später verlassen wir die gemütliche Terasse und steigen wieder ins Auto.2013 SüdafrikaNach drei kurvigen Stunden erreichen wir das nette Städtchen und werden von der Gastgeberin unseres B&B erstmal zu Kaffee und Keksen eingeladen und wir verbringen den Nachmittag entspannt plaudernd auf der Terrasse. Dann genießen wir die abnehmenden Temperaturen und lassen unseren Abend im preisgekrönten Gourmet Restaurant bei drei unfassbar leckeren Gängen ausklingen. Ein weiterer wunderbarer Tag geht zu Ende. 2013 SüdafrikaDer Stich ist mittlerweile ballonartig angeschwollen und tut höllisch weh. Es ist diesmal nicht so weit zu fahren, worüber wir nicht undankbar sind. Nach einem wie immer üppigen Frühstück drückt mir Gastdame Fiona tatsächlich noch das von mir erwünschte Rezept für den leckeren Karottenkuchen in die Hand, von dem ich so geschwärmt habe. Ich freue mich sehr. Die Landschaft unterwegs zeigt wieder ein neues Gesicht. Abgeerntete Felder in geradlinigen Mustern zieren die Seiten. 2013 SüdafrikaWir erreichen Hermanus, berühmt für die großen Wale, die um diese Zeit ihre Kinder in der verhältnismäßig warmen Bucht aufziehen. Wir bummeln durch die touristische Innenstadt und gönnen uns ein Eis im windigen Sonnenschein. Wir erstehen eine wunderschöne Holzgiraffe. Damit ihr nichts passiert, wickle ich sie in die Jeansbeine meiner getragenen Hose und wir legen sie in den Kofferraun. Ein Schiff wird leider heute aufgrund der unruhigen See nicht mehr zur Walbeobachtung hinausfahren. Damit ist unser Programm für heute gestorben und wir disponieren zu essen, bummeln und lesen um. Ich jammere ein wenig, weil mein Bein mittlerweile pocht und schmerzt. Ich fahre an der dicken Stelle mit dem Finger entlang und stelle eine Unebenheit fest. Ich setze mich mit einer Nadel dran und operiere einen kleinen Stachel heraus. So ein gemeines Ding! 2013 Südafrika2013 SüdafrikaDer nächste Morgen ist nicht weniger windig und so können wir auch heute nicht mit dem Boot nach draußen fahren. Mein Bein ist wie neu. Wir entscheiden uns den Cliff Path entlangzuwandern, um vielleicht ein paar entfernte Blicke auf die Wale werfen zu können. Wir haben kaum Erfolg. Wir sehen zwar zweimal eine große ausgestoßene Wasserfontäne, dabei soll es dann aber auch für uns bleiben. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaWir gehen zum Auto und fahren nach Franschhoek, das kleine Paris inmitten schöner Weinberge. Wir kommen gerade noch rechtzeitig, bevor das gewaltige Gewitter ausbricht und stundenlang Wassermassen vom Himmel stürzen. Wir hoffen auf den nächsten Tag. Leider hält das Unwetter an, es hat die ganze Nacht durchgeschüttet. Die Lust auf Weinprobe ist uns vergangen. 2013 SüdafrikaWir fahren noch über das andere Weinmekka Stellenbosch, dann zu unserem letzten Kapstadt. Wir haben vor einigen Tagen ein kleines Boutique-Hotel im Internet aufgetan. Wir sind begeistert, die Einrichtung ist geschmackvoll edel und wir werden vom Butler direkt mit Kaffee und Kuchen empfangen. Er stellt sich als Simon vor und bittet um die Autoschlüssel, um unsere Koffer nach oben zu bringen. 2013 SüdafrikaBeim ersten heißen Schluck des Kaffees überkommt mich eine peinliche Gedankenwelle: wie sieht nur unser Kofferraum aus!!! Seit Wochen werfen wir die dreckige Wäsche in eine Tüte, Chips und Wasserkanister und was sonst noch alles irgendwie wohin musste und im Rucksack nur zu schwer war – liegt einfach drin. Was wird Simon nur denken? Vielleicht nimmt er einfach nur die Rucksäcke und nimmt den Rest gar nicht wahr? Hoffentlich! Ich beiße entspannt in meine Zitronentorte. Die Receptionsdame hat uns bereits einen Tisch zum Essen reserviert, wie nett, wir nehmen dankend an. Dann beziehen wir das wunderschöne Orchideenzimmer und uns stockt der Atem. Alles ist hier schön aufgebaut: die Rucksäcke, der Wasserkanister, die Packung Chips, die Giraffe und natürlich die Tüte dreckiger Wäsche. Auch alle anderen Einzelteile wie Jacke und Schuhe hat er nach oben gebracht und in den Schrank geräumt. Wir schmeißen uns lachend und beschämt aufs Bett. Er wird ein gutes Trinkgeld bekommen… Das Wetter ist so schlecht, dass wir tatsächlich nur in eine Mall fahren und ins Kino gehen. Hoffen wir auf morgen.2013 Südafrika 2013 SüdafrikaEs sieht besser aus. Einige Straßen sind gesperrt wegen Überflutung, aber wir haben uns eh für eine Stadttour mit dem Doppeldecker Bus entschieden. V&A Waterfront, Tafelberg, Camps Bay, wir kommen an allen Sehenswürdigkeiten und besonderen Stadtteilen vorbei und können uns einen guten Überblick über Kapstadt machen. 2013 Südafrika2013 Südafrika2013 SüdafrikaDas Wetter ist besser geworden und zwischen dem heftigen Wind brennt die Sonne auf unsere Köpfe. Nachdem wir den Bus verlassen haben, bummeln wir selbst an der Waterfront entlang, genießen verschiedene ungewöhnliche Leckereien in der dortigen Markthalle und fahren dann noch ins das farbenfrohe Boo-Kap Viertel. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaIm Anschluss fahren wir wieder ins Hotel, essen uns durch die unglaubliche Kuchen- und Quicheauswahl durch und genießen den als Einladung bekommenen Rosé-Champagner zusammen mit der Aussicht. Wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen. Ein Sturm ist über die Häuser gefegt, der uns kein Auge hat zutun lassen. Das einzig Gute daran: der Tafelberg ist endlich wolkenfrei. Heute werden wir ihn aufsuchen. Doch davor, geht es zuerst ans untere Ende.2013 Südafrika 2013 SüdafrikaWir fahren bis Cape Point und werden am südlichsten Zipfel von Südafrika fast davon geweht, so stark stürmt es hier. Das Naturschutzgebiet ist wunderschön, an Wandern ist aber bei diesem Sturm nicht zu denken. Wir besuchen die Brillenpinguine bei Boulder Beach. 2013 Südafrika2013 SüdafrikaWir gehen kleine Pfade am Strand entlang, bis wir zu der geschützten Bucht kommen. Die geschützte Anlage ist klein, aber gepflegt, wir sehen sogar brütende Pinguine, doch sind von den Massen an indischen und japanischen Touristengruppen dermaßen angemerkt, dass wir schnell das Weite suchen. Leider sieht es am Tafelberg nicht anders aus. 2013 SüdafrikaDie Menschenmassen reihen sich aneinander. Jeder Tourist aus Kapstadt scheint auf den Berg zu eilen. Wir stellen uns an und rücken langsam wie kleine Entlein der Gondel immer näher. Wir entdecken fette Clipschliefer, die sich faul in der Wärme der Sonne rekeln. Ich ärgere mich über die Touristen, die diese Tiere so unnatürlich dick haben werden lassen. 2013 SüdafrikaEntweder gefüttert oder durch unachtsames Wegwerfen von Fastfoodtüten. Nach nicht mal drei Minuten Fahrt sind wir auf dem Gipfel angelangt. Die Aussicht ist atemberaubend. Wir genießen den letzten Blick auf Kapstadt und lassen die letzten 3 Wochen vor unserem inneren Auge abspielen. Ich bin mir sicher:

Südafrika sieht uns wieder.

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